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Description
(Text)
Sage und Theaterstück
Hinter Moos und Flechten verbarg sich eine geheimnisvolle, alte Zeichnung in einer Felswand und daneben war eine kleine Nische in den Fels gehauen.
Das ist der Hintergrund für eine Sage, die hier an einer Felswand südlich der Stadt Göttingen, am Eingang zum idyllischen Gartetal, zu finden ist. Im Volksmund heißt diese Wand Das blaue Wunder.
1929 riss man den Felsen teilweise ab und die Zeichnung verschwand. Viele Jahre später, am 13. Juni 1976, wurde an der übrig gebliebenen Felswand ein Denkmal errichtet, um an das Blaue Wunder zu erinnern. Täglich passieren viele Fahrzeuge die romantische Landstraße nahe der historischen Spinnerei im Gartetal, die einst die Steinsmühle war.
Kaum ein Reisender weiß aber, dass sich hier vor Jahrhunderten ein Wunder ereignet hat. Die Sage vom Blauen Wunder in Klein Lengden geriet langsam in Vergessenheit. Doch einige Menschen tragen dieses Wissen weiter und manch anderer glaubt an ein Wunder.
(Extract)
Die Geschichte
Es war im Jahr 1626, in der Zeit des dreißigjährigen Krieges, als der Heeresführer Tilly mit seinen Soldaten in die Stadt Göttingen und die umliegenden Dörfer einmarschierte. Junge Frauen waren damals vor den ausgehungerten Soldaten nicht sicher, oft wurden die hübschen Mädchen entführt.
In der Nähe des kleinen Dorfes Klein-Lengden, gab es eine Mühle. Dort lebten einst der Müller und seine Frau mit ihren Bediensteten. Der Müller machte sich große Sorgen, um seine wunderschöne Dienstmagd, da er befürchtete, sie an die plündernden und mordlustigen Soldaten zu verlieren. Der unglückliche Müller erzählte seiner Gemahlin von seiner Not. Gemeinsam besprachen sie, was zu tun sei, um die Dienstmagd vor den Soldaten zu schützen. Die Müllersfrau war sehr listig und klug und schlug ihm Folgendes vor: "Marie müsste einfach eine Greisin sein. An einem alten Wasch-weib haben die Soldaten kein Interesse."
"Wo habt Ihr eure Augen Frau? Marie ist viel zu jung, um mit einer Greisin verwechselt zu werden!", sprach der Müller, der an dem Verstand seiner Frau zweifelte.
"Lass das ruhig meine Sorge sein, mein lieber Gemahl!", meinte seine Frau voller Zuversicht.
Sogleich rief sie nach der Magd.
"Meine Herrin, Ihr habt nach mir gerufen?", fragte Marie.
"Kommt mit mir, es gibt viel zu tun", erklärte die Müllersfrau und verschwand mit der Magd in der Mehlkammer. Die Müllersfrau nahm etwas von dem Mehl und rieb damit das herrlich glänzende, goldblonde Haar der Magd ein, bis es ganz grau wirkte. Nun band sie das Haar zusammen und versteckte es unter einem zerschlissenen Kopftuch. Anschließend gab sie ihr ein Bündel mit Kleiderlumpen und befahl ihr diese anzuziehen. Als die Magd fertig angezogen war, verlangte die Müllersfrau von ihr, sich nur noch in gebückter Haltung und mit langsamen Schritten fort zu bewegen. Kostümiert wurde Marie dem Müller präsentiert, der sie fast nicht mehr wieder erkannt hätte.
"Herrgott, Frau, welches alte Waschweib in Kleiderlumpen habt Ihr mir da mitgebracht?" wollte der Müller wissen.
"Traut Euren Augen, Gemahl, vor Euch steht Eure Dienstmagd Marie!", sprach die Müllersfrau.
"Heiliger Christopherus, stehe mir bei! Ist das wahr, spielen mir meine Augen einen Streich? Marie seid Ihr es wirklich?", fragte der Müller.
"Ja mein Herr, ich bin es, Eure Magd Marie und Euch stets treu zu Diensten!"
"Was habe ich doch für eine kluge Gemahlin. Ihr verwandelt die junge, hübsche Dienstmagd in ein altes, unansehnliches Weibsbild, das grenzt schon fast an Hexerei", meinte der Müller.
"Sprich nicht so laut von Hexerei, sonst komm ich für meine Tat noch auf den Scheiterhaufen!", entgegnete die Müllersfrau.
"Da ist kein Zauberwerk im Spiel, mein Herr, ich bin nur verkleidet", erklärte Marie.
Der Müller war ganz begeistert von dieser Verwandlung zur alten Greisin und lobte seine Frau für ihren genialen Einfall in den höchsten Tönen. Sofort verkündete er, dass sich die Dienstmagd von nun an tagsüber als Greisin tarnte, um ihre Arbeit ohne Gefahr vor den Soldaten zu verrichten.
Eines Tages erledigte Marie gerade die Hofarbeit vor der Mühle, als unerwartet zwei Soldaten auftauchten. Beim Anblick der imposanten, fremden Männer bekam sie plötzlich Angst.
"Sprich, altes Weib, wo finden wir den Müller?", erkundigte sich einer der beiden Soldaten mit rauer Stimme.
Sie nahm allen Mut zusammen um zu antworten. Mit einer krächzenden und verstellten Stimme sprach sie: "Der Müller und seine Frau sind in der Mühle."
Der andere Soldat musterte sie eingehend. Er fand ihr Äußeres sehr merkwürdig. Plötzlich erschienen der Müller und seine Frau auf dem Hof.
"Marie, komm sofort mit mir ins Haus, dort gibt es noch allerhand zu tun!", rief die Müllersfrau streng.
"Ja, meine Herrin."
Der Müller wirkte sehr nervös. Die Müllersfrau und die Dienstmagd eilten davon. Der Soldat schaute ihnen misstrauisch nach.
"Was kann ich für die Herrschaften tun?", wollte der Mül



