Full Description
Um zu verstehen, wie Verwaltungsapparate und Bürokratiemaschinen - bürokratische Black Boxes -funktionieren sollen, empfiehlt sich die Lektüre ihrer Manuale. Amtsinstructionen, Kanzlei- und Büroordnungen lassen sich jedoch nicht nur als juristisch-formale Gebrauchstexte im Dienste optimierter Aktenläufe, sondern auch als Erzählungen lesen. Diese handeln stets davon, dass Verwaltungen und Organisationseinheiten noch schneller, noch genauer zur Sache gearbeitet haben werden, umfänglich folgend dem Prinzip der Rechtssicherheit, sowieso transparent in Hierarchien eingebunden, zweifelsfrei auf dem je aktuellen medientechnischen Stand, um Daten zu verarbeiten, Entscheidungen zu treffen, darüber Auskünfte zu geben und - alles abzulegen. Diese Fähigkeiten einerseits auszustellen und andererseits in Form von Handlungsanweisungen (Manualen ostentativer Korrektheit und Dienstfertigkeit, mit zumeist jahrzehntelanger Gültigkeit, ungeachtet aller Wechsel politischer Regime) durchzusetzen, werden derartige Texte verfasst und auf dem Verordnungsweg an Personal, Publikum (Öffentlichkeit) und Politik adressiert. Der (Open Access-)Band 6 der AdminiStudies unternimmt es, die Geschichte dieser Grundlagentexte, Zusammenhänge wie Folgen der jeweiligen Verordnung, nachzuzeichnen.
Contents
Peter Plener & Benno Wagner: Vorwort, Lektüremanual.- Holger Berwinkel: Vor der Maschine. Kanzleiordnungen 1500-1750.- Christian Wimplinger: Von der Richtschnur zum Leitfaden. Zur Geschichte institutioneller Selbstbindung am Beispiel der österreichischen Zentralverwaltung.- Karsten Uhde: Geschäftsordnung und Praxis. Kassel 1867-1914.- David Fliri: Privatangelegenheit? Die Verwaltung des habsburgischen Familienvermögens unter Kaiser Franz Joseph I. im Spiegel der Kanzleiordnungen.- Rupert Gaderer: Die Ordnung der Kanzlei. Karl Kraus und die groteske Souveränität der Bürokratie.- Benno Wagner: Kanzlei und Kontrolle. Österreichische Kanzleiordnungen im Lichte der Kontrollrevolution.- Peter Becker: Die Kaiserliche Kommission zur Förderung der Verwaltungsreform. Ereignisse und Faktoren für ein (erfolgloses) Projekt zum Wandel der öffentlichen Verwaltung.- Peter Plener: Kanzleiordnung und Industrienorm. Zur Neuformatierung der österreichischen Zentralstellen 1923.- Kathrin Kininger: Vom Gang der Geschäfte. Zum Prozess der Entscheidungsfindung in den Akten.- Thomas Eder: Maschine als Metapher.- Angelika Menne-Haritz: Ordnung oder Anordnung. Die digitale Verschärfung der Widersprüche zwischen Kompetenz und Hierarchie.- Kerstin Stüssel: Friktion verordnen. Bürokratische Umständlichkeit (in österreichischen Kanzleiordnungen).- Livia Kleinwächter: »Ihrer Natur nach zu spät«. Zum Problem der ›kanzleimäßigen‹ Kontrolle von Intransparenz.- Maren Lehmann: »Keineswegs ein Spiel«: Dienstwege, Kommunikationswege, Umwege. Die Kontingenz formaler Ordnungen (aka: Organisation).



