Description
Die Frage nach dem Ziel der Integration begleitet den europäischen Einigungsprozess seit seinem Beginn. Einen besonders in Deutschland wirkmächtigen Beitrag zu dieser Diskussion lieferte Hans Peter Ipsen mit seiner technokratischen Beschreibung der Europäischen Gemeinschaften als »Zweckverbände funktioneller Integration«. Vorliegende begriffsgeschichtliche Studie verfolgt die Genese und Rezeption der Begriffsprägung und fragt nach seiner Aktualität im Kontext aktueller europawissenschaftlicher Finalitätsdebatten. »The 'Special-Purpose Association of Functional Integration' According to Hans Peter Ipsen. A Contribution to the History of Concepts and to the Debate on finality in European Studies«: The question of its finality has accompanied the process of European unification since its beginning. Hans Peter Ipsen made a powerful contribution to this discussion with his technocratic description of the European Communities as 'special-purpose associations of functional integration'. This study traces the genesis and reception of this concept and examines its topicality in the context of current debates on the finality of European integration. I. AusgangspunktFinalität der EU als DauerthemaII. MethodikBegriffsgeschichtlicher und interdisziplinärer Ansatz - Begriff des »Zweckverbands funktioneller Integration« - Berücksichtigung der historischen Sachverhalte - Einbeziehung von GegenbegriffenIII. Hans Peter Ipsen Zur PersonIV. Genese des Begriffs in Ipsens SchriftenErste Phase (1964-1968): »Zweckverband« als Abwehrmodell - Zweite Phase (1969-1972): Theoretische Fundierung und positive Beschreibung des Abwehrmodells - Dritte Phase (1970-1995): Verteidigung eines immer stärker von der europäischen Verfassungswirklichkeit entkoppelten KonzeptsV. Einflüsse auf Ipsens Begriff Zweckverband - Funktionelle Integration - Einfluss von Carl Schmitts »Großraumtheorie«?VI. Verhältnis zu benachbarten Begriffen Rechtswissenschaft - Soziologie: Helmut Schelskys »technischer Staat« - Politikwissenschaft: Giandomenico Majones »Regulatory State« - Ökonomie: Friedrich August von Hayeks »Interstate Federalism«VII. Rezeption Zeitgenössische deutsche Rezeption - Aktuelle deutsche Rezeption - Rezeption im Ausland?VIII. »Zweckverband« im Kontext von Polykrise und aktuellen Finalitäts-Debatten Polykrise - Politische Debatte zur Finalität der EU - Europawissenschaftliche Debatte zur Finalität der EUIX. Zwischenfazit Leitgedanken des »Zweckverbands«-Begriffs - Begriffsgenese und Begriffsgestalt - Blinde Flecken und Ungereimtheiten im »Zweckverband«X. Ausblick Was bleibt vom »Zweckverband«?: Blick auf den »Zweckverband« im Jahre 2022 - Begriffliche Dimensionen des »Zweckverbands« Wolfgang Kahl (born 1965) studied law and political science at the Universities of Augsburg, Munich and Speyer. He received his doctorate from the Law Faculty of the University of Augsburg in 1992 (thesis: Umweltprinzip und Gemeinschaftsrecht, 1993). In 1999 he habilitated in Augsburg (habilitation: Die Staatsaufsicht, 2000) and in 2000 accepted a call to a chair in Public Law at the Law Faculty of the University of Giessen. In 2004 he accepted a call to the University of Bayreuth and in 2009 another call to the University of Heidelberg. There he has since been director of the Institute for German and European Administrative Law and the Research Center for Sustainability Law.Paul Hüther (born 1996) studied law at the University of Heidelberg. Since 2020, he has been working as a research assistant at the Institute for German and European Administrative Law at the same university, and since 2022, he has been a legal trainee at Heidelberg Regional Court. »Mit ihrem kleinen Band haben Wolfgang Kahl und Paul Hüther einen großen und wertvollen Beitrag zur Begriffsgeschichte in der juristischen Europawissenschaft geleistet. Ihre sehr systematisch und differenziert angelegte Auseinandersetzung mit dem Werk Ipsens, die auch die zum Teil sehr kritische Sekundärliteratur referiert und einordnet, setzt Maßstäbe. Es wäre zu wünschen, dass sich auch die anderen europawissenschaftlichen Disziplinen, also die Politik-, Wirtschafts- und Geschichtswissenschaft sowie die Soziologie, noch sehr viel intensiver als bislang mit ihren 'Klassikern' in Form einer Begriffsgeschichte a la Koselleck auseinandersetzen.« Dr. Martin Große Hüttmann, in: Jahrbuch des Föderalismus, Bd. 24/2023



