Description
Ein Kursraum irgendwo in Deutschland: Stühle, Tische, ein Whiteboard. Hier sitzen Menschen, die offiziell "in die Gesellschaft integriert" werden sollen. Einige wollen lernen, andere sitzen ihre Zeit ab, wieder andere wissen nicht einmal, warum sie hier sind. Vor ihnen steht eine Lehrerin, zuständig für Grammatik und sprachliche Fertigkeiten und gegebenenfalls auch für Konflikte, Verweigerung, kulturelle Spannungen und Frustration. Für Erwartungen, die mit Sprachenlernen nichts mehr zu tun haben.
In der Realität begegnen sich hier Menschen, die anwesend sein müssen, aber nicht lernen wollen. Andere, die lernen wollen, es unter diesen Bedingungen aber kaum können. Und Lehrkräfte, die dokumentieren, erklären, schlichten und weitermachen - selbst dann, wenn Unterricht kaum noch möglich ist.
"Die Integrationslüge" ist ein Insiderbericht aus Deutsch- und Integrationskursen. Zwei erfahrene Sprachlehrerinnen beschreiben, wie Kurse besucht werden, ohne dass Engagement bei den Lernenden entsteht. Wie Prüfungen abgelegt werden, trotz häufig fehlender erforderlicher Sprachkenntnisse. Wie Konflikte, Grenzüberschreitungen und offene Ablehnung des Unterrichts zum Alltag gehören und dennoch folgenlos bleiben.
Was offiziell als Integrationsmaßnahme gilt, wird im Kursraum zu einer Geduldsprobe bei den Lehrkräften. Sie sollen motivieren und vermitteln - ohne klare Zuständigkeiten, ohne Rückhalt und ohne Möglichkeiten, Probleme wirksam anzugehen. Integration wird eingefordert, obwohl die Voraussetzungen dafür fehlen.
Dieses Buch zeigt auf, was im Inneren dieses Systems passiert. Nicht als Skandal, sondern als Realität. Und es zeigt, warum Integration scheitert, wenn gesellschaftliche Herausforderungen vor allem an Sprachkurse ausgelagert werden.
Julia May promovierte in Germanistik und Philosophie an der Universität Hamburg. Seit mehreren Jahren ist sie im Großraum Frankfurt am Main als engagierte Dozentin und Prüferin tätig - in Integrations- und Berufskursen, in Unternehmen sowie in der universitären Lehre. Im Zentrum ihrer Arbeit steht eine lebendige, praxisnahe Vermittlung der deutschen Sprache, die den Alltag und die Berufswelt ebenso im Blick hat wie interkulturelle Kompetenz und Verständigung.
Lia Orat unterrichtet seit vielen Jahren Deutsch als Fremdsprache in berufsbezogenen Integrationskursen der Erwachsenenbildung in Frankfurt am Main. Nach ihrem Masterstudium der Germanistik und Anglistik in Köln sammelte sie umfangreiche Lehrerfahrung im Goethe-Institut, an einer technischen Hochschule sowie in verschiedenen Unternehmen. Ihre Arbeit verbindet sprachliche Präzision mit einem feinen Gespür für berufliche und kulturelle Kontexte.



