Description
(Text)
Neugierig und mit wachen Sinnen erlebt ein kleines Mädchen die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, bis seine Kindheit durch eine erschütternde Erfahrung jäh zerbricht.Die sinnliche und zugleich ernste Erzählung über das Erwachsenwerden ist nach Lehrerskind das zweite Buch der Autorin Jule Elfert-Jacobi.
(Extract)
Seit kurzem gibt es das Waldschwimmbad. In einer halben Stunde kann man es vom Dorf aus erreichen.Dorthin wandert sie oft alleine, die Decke mit den Badesachen zum Bündel geknotet auf dem Rücken, durch hohes und seidiges Gras wilder Wiesen. Lange bevor es zwischen den dunklen Stämmen sichtbar wird, tief unten im Tal, schallt ihr sein ausgelassener Lärm entgegen.Von hohen Tannen an steilen Hängen umgeben, funkeln dort im Sonnenlicht wie große Aquamarine zwei blauwellige Becken inmitten grüner Rasenflächen.Sie eilt den weichen, mit Nadeln über und über bedeckten Weg hinunter, während der Lärm ansteigt.Hei, wir tummeln uns im Wasser/Wie die Fischlein, das ist fein. tönt ihr Connys Schlager aus den Lautsprechern entgegen. Kreischende Mädchen werden von hinterrücks anlaufenden Jungen ins tiefe Becken gestoßen. Das Gedudel vermischt sich mit dem Platschen im aufspritzenden Wasser und den Gurgelgeräuschen beim Auftauchen der in der Sonne ölig glänzenden nassen Leiber. Ja, wir radeln wieder Wind durch den Grunewald geschwind. Die silbern glitzernde Wasseroberfläche im Gegenlicht, in Abermillionen winzige Kristalle zersplittert, gibt dem sinnlichen Erleben etwas Kostbares. Dumpf schwingen die Sprungbretter mehrere Male, bevor sie die Springer mit hartem Knall entlassen, die Pfeilen gleich, die Köpfe voraus, ins Wasser eintauchen, lange verschwunden bleiben, um urplötzlich neben den Mädchen am Beckenrand aufzutauchen, grinsend und mit unschuldiger Miene die geheuchelte Überraschung genießend, während sie jungen Hunden gleich ihre nassen Köpfe vor ihnen ausschütteln. Dann klopft das Herz. Mehr braucht es nicht, um nachts davon zu träumen in seliger Wonne.



