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Description
(Text)
Im vorliegenden Buch wird die Aithiopika des Heliodor von Emesa aus philologischer Sicht intensiv untersucht. Textstellen aus den ersten 12 Kapiteln des vierten Buchs, die sowohl für den Fortgang der Handlung als auch die Veranschaulichung der ausgefeilten Erzähltechnik Heliodors wesentlich sind, werden kommentiert. Dabei werden markante textkritische Auffälligkeiten, die Einbettung der einzelnen Passagen in den Gesamtzusammenhang sowie die Entschlüsselung bzw. Aufdeckung von Intertextualitäten weitgehend berücksichtigt. Auch die Charakterisierung der auftretenden Personen und ihre einzelnen Verhaltensweisen finden Beachtung.
(Extract)
'Textprobe:
Kapitel: 2.4, Kapitel IV:
Kalasiris berichtet vom glücklichen Ausgang des Wettlaufes und von den anschließenden ersten Annäherungsversuchen des übermutigen Theagenes. Knemon ist entzückt von dieser Geschichte und bedrängt Kalasiris mit der Bitte, ihm trotz fortgeschrittener Stunde den weiteren Verlauf der Ereignisse zu erzählen. Kalasiris berichtet daraufhin von den quälenden Stunden der folgenden Nacht, in denen er aufgrund des mysteriösen Orakels und der Ungewißheit seines weiteren Schicksals keinen Schlaf fand. Daß auch Charikleia in dieser Nacht kein Auge zu machte, kann Kalasiris vor Knemon inzwischen mit Gewißheit behaupten, weil er diese Information am kommenden Tag von ihrem besorgten Vater Charikles erhielt.
2.4.1. Übersetzung:
1) 'Nachdem er das halbe Stadion vollendet hatte, Knemon, wandte er sich ein wenig um, bedachte Ormenos mit einem mißtrauischen Blick, hob den Schild in die Höhe, richtete seinen Nacken auf und stürzte - den Blick ganz auf Charikleia gerichtet - wie ein Geschoß auf das Ziel zu. Und so ließ er den Arkadier um eine Menge von Klaftern hinter sich, die an Zwischenraum im Nachhinein ausgemessen wurde. 2) Als er nun auf Charikleia zulief, fiel er mit voller Absicht an ihre Brust - denn er konnte freilich dem Schwung des Laufes keinen Einhalt gebieten -, und als er mit dem Palmzweig bekränzt wurde, blieb es mir nicht verborgen, daß er die Hand des Mädchens küßte.''Du bist mein Retter', sagte Knemon, 'weil er gesiegt und sie geküßt hat. Aber was geschah danach?''Du warst (bisher) nicht nur unersättlich im Zuhören, sondern auch vom Schlaf unbeeindruckt: Obwohl bereits wahrlich kein geringer Teil der Nacht vergangen ist, bleibst du standhaft wach und zeigst angesichts der Geschichte, wenngleich sie sich auch noch in die Länge zieht, keinerlei Ermüdungserscheinungen.' 3) 'Ich tadle auch Homer, Vater, weil er behauptet, wie bei allen übrigen Dingen gebe es auch Übersättigung an Liebe, einer Sache, die meiner Beurteilung nach keinerlei Übersättigung mit sich bringt, weder wenn sie infolge von sinnlicher Lust erreicht wird noch wenn sie einem (nur) zu Ohren kommt; wenn aber jemand auch noch von der Liebe des Theagenes und der Charikleia erzählt, wer wäre dann so stählern oder hätte ein Herz von Eisen, daß er nicht gerührt würde, auch wenn er ein Jahr lang zuhörte? Deshalb halte Dich an dem fest, was danach kam!' 4) 'Theagenes also, Knemon, war bekränzt und als Sieger ausgerufen worden, begleitet von den wohlwollenden Zurufen aller, Charikleia aber - nachdem sie Theagenes erneut gesehen hatte - war nun ganz klar besiegt und ergab sich ihrer Leidenschaft noch mehr als vorher. Denn das gegenseitige Erblicken von Verliebten wird zur Erinnerung des Leidenden und die Betrachtung entzündet aufs Neue die Gedanken wie es bei Holz durch Feuer geschieht. 5) Und jene, als sie nach Hause gekommen war, verbrachte eine Nacht, ähnlich den vorangegangenen oder sogar noch schmerzlicher, ich aber war wieder schlaflos, weil ich überlegte, wohin wir uns unbemerkt zur Flucht wenden könnten, und darüber nachdachte, an welchen Ort der Gott die jungen Menschen letztendlich schickte. Daß die Flucht nur über das Meer zu bewerkstelligen war, erkannte ich, indem ich von dem Orakelspruch inhaltlich das Nutzenbringende zu Hilfe nahm, wo er sagte, daß sie, nachdem sie die Woge zerschnitten, zu dem Land gelangen würden, das von der Sonne dunkel gefärbt ist [...].
2.5. Kapitel V:
Als Kalasiris am nächsten Morgen bei Charikles zuhause erscheint, findet er dessen Hausgenossen aufgrund von Charikleias besorgniserregendem Zustand in heller Aufregung. Er verspricht sofortige Abhilfe, bittet dafür jedoch alle Anwesenden, sich zu entfernen. Nachdem ihm dies gelungen ist, bietet er der vor lauter Liebe schon ganz entkräfteten Charikleia eine amüsante Kostprobe seiner Scharlatanerie, die von dem Mädchen natürlich sofort als solche durchsch



