Description
(Text)
Die vorliegende Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit eine Legalisierung von Cannabisprodukten in Deutschland aus ökonomischer Perspektive sinnvoll wäre. Nach einer kurzen Hinführung zum Thema wird anhand des Beispiels des US-Bundesstaates Colorados, welcher Anfang 2014 die kommerziellen Abgabe von Cannabis legalisiert und reguliert hat, ein möglichst präziser Steuerertrag ermittelt, den der deutsche Fiskus durch entsprechende gesetzliche Maßnahmen erwirtschaften könnte. Neben dem kalkulierten Steuerertrag werden ebenfalls andere Nutz- sowie Kostenfaktoren aufgelistet, die eine potentielle Legalisierung nach sich ziehen würde, und in monetäre Einheiten prognostiziert. Basierend auf einer entsprechenden Kosten-Nutzen-Analyse konnte eine umfassende Handlungsempfehlung ausgearbeitet werden, welche hinsichtlich wirtschaftlicher Gesichtspunkte in der Diskussion um eine Cannabislegalisierung in Deutschland hilfreich sein könnte.
(Extract)
Textprobe:
Kapitel 4.2, Ermittlung des Steuerertrags:
4.2.1, Schemata der Analyse:
Oberflächlich gesehen ähnelt die folgende Analyse aufgrund der adaptierten Struktur die der Studie des Colorado Futures Center (2013). Im ersten Schritt soll die Nachfrage an Cannabis der zum Kauf berechtigten Personen in Deutschland geschätzt werden. In Schritt 2 wird ein möglichst genauer Großund Einzelhandelspreis für Cannabis kalkuliert, der in der Post- Legalisierungsphase veranschlagt werden könnte. Folgender Schritt 3 dient der Anpassung der zuvor kalkulierten Gesamtnachfrage an Cannabis aufgrund des errechneten Groß- und Einzelhandelspreises. Mithilfe der Preiselastizität der Nachfrage sollen Veränderungen im Konsumverhalten durch neue Cannabispreise einbezogen werden. Im letzten und abschließenden Schritt 4 wird mithilfe der zuvor errechneten Werte der gesamte Steuerertrag des deutschen Fiskus ermittelt [vgl. Brown und Resnick 2013 S. 3].
4.2.1.1, Schritt 1 / Schätzung der jährlichen Cannabisnachfrage:
Würde es zu einer Legalisierung und einer Regulierung des Marktes von Cannabis kommen, könnte man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Erwerb von Cannabis nur volljährigen Personen gestattet werden würde. Laut Marlene Mortler, Drogenbeauftrage der Bundesrepublik Deutschland, kann vor allem der Cannabiskonsum unter Jugendlichen negative Auswirkungen auf die "noch nicht abgeschlossene neurologische Entwicklung" haben. [Bundesministerium für Gesundheit 2014]. Regulierungen der Cannabisindustrie könnten sich an jenen Regulierungen der Tabak- und Alkoholindustrie anlehnen. Laut Jungendschutzgesetz sind Abgabe und Konsum von Tabakwaren oder Spirituosen erst an Personen, die das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben, gestattet [vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2013].
Da diese Arbeit versucht den potenziellen Steuerertrag des deutschen Fiskus, der durch die Legalisierung von Cannabis entstehen würde, zu ermitteln, bezieht sichfolgende Schätzung des jährlichen Cannabiskonsums ausschließlich auf Zahlen volljähriger Cannabiskonsumenten. Also auf Personen, die aufgrund geschilderter Bedingungen zum Erwerb von Cannabis berechtigt wären.
Die ausführlichste Studie zum Cannabiskonsum in Colorado stellt die Marijuana Policy Group zur Verfügung. Diese Studie bezieht sich neben allgemeinen Daten der "National Survey on Drug Use and Health" zusätzlich auf Auswertungen des "restricted-use data analysis system". Dieses System erstellt detaillierte, ausführliche Tabellen zu Konsumhäufigkeiten bestimmter Altersgruppen. Die Untersuchung nutzt diese Zahlen um Colorados Cannabiskonsumenten in verschieden Pools zu unterteilen um diese daraufhin nach Konsumhäufigkeit zu markieren. Markierte Pools wie Gelegenheits- Gewohnheits- oder Dauerkonsumenten werden auf diese Weise auf ihre monatlichen Cannabiskonsum-Tage hochgerechnet und mit ihrem geschätzten täglichen Cannabisverbrauch pro Gramm multipliziert. [vgl. Light 2014, S. 10-16].
Da die ausführlichsten Berichte hinsichtlich des Cannabiskonsums in Deutschland weitaus weniger genaues Zahlenmaterial bereitstellen, ist die Vorgehensweise zur Berechnung des deutschen Gesamtbedarfs an Cannabis, ähnlich der Vorgehensweise der Analysen des CFC (2013) und des CCLP (2012). Die Studie des CFC (2013) ermittelt die Cannabiskonsumenten, indem sie der Nationalen Studie über Drogenmissbrauch jene Personen entnimmt, die angaben im letzten Jahr der Studie Cannabis konsumiert zu haben. Da die Studie nur volljährige Personen herausfiltern will, werden gefundene Prozentzahlen auf die Bevölkerungsstruktur Colorados verteilt. Daraus ergibt sich die Gesamtzahl an Cannabiskonsumenten [vgl. Brown und Resnick 2013 S. 3]. Demzufolge werden zur Berechnung der deutschen Cannabiskonsumenten ebenfalls jene volljährigen Personen ermittelt, die innerhalb des letzten Jahres zum Zeitpunkt der Befragung, angaben Cannabis konsumiert zu haben.
[...] Vertei



