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Description
Anlässlich des 90. Jahrestags seines Ausbruchs beschäftigt sich das neue Heft der Zeitschrift für Genozidforschung mit den Semantiken und Praktiken von Gewalt im Spanischen Bürgerkrieg. Zwar endete die franquistische Diktatur im Jahr 1975, doch wurde eine weitgehende Aufarbeitung der Bürgerkriegsgewalt wie auch des Franco-Regimes durch das Amnestiegesetz von 1977 verhindert. Erst in den letzten 20 Jahren wurden zunehmend zentrale Forschungsbeiträge geleistet, die den Spanischen Bürgerkrieg und die nachfolgende fast 40 Jahre andauernde Diktatur in das Zentrum u.a. der Militär-, Kultur- und vergleichenden Gewaltgeschichte rückte.Das Themenheft leistet einen Beitrag besonders zur Untersuchung von Strukturen und Mechanismen der während des Bürgerkriegs ausgeübten Gewalt und fragt dabei nicht zuletzt auch nach ihrer kommunikativen, symbolischen und mithin auch mobilisierenden Funktion. Neben einer systematisierenden Einführung der Gastherausgeberinnen zum Spannungsfeld von Semantiken und Praktiken der Gewalt im Spanischen Bürgerkrieg bietet das Heft Beiträge, die die Gewaltdarstellung in Quellen von Zeitzeugen wie auch in literarischen Aufarbeitungen untersuchen, die Gewaltpraxis als Identitätsmarker, Mobilisierungs- und Inklusionsinstrumente diskutieren, den von rechts wie links praktizierten Einsatz von Musik und Liedern über Feindschaft und Gewalt als Träger politischer Botschaften analysieren und außerdem Aspekte der den Gewaltpraktiken eingeschriebenen Markierungen und (Re)Konstruktionsstrategien von Genderpositionen betrachten. Die Beiträge zeigen, dass Gewalt neben ihrer körperlichen, ganz direkten Einwirkung auch als Drohkulisse, Mittel der Aktivierung, aber auch Chiffre und organisatorische Struktur für Erinnerung, Identität und Sinnstiftung von Erfahrung wichtige Funktionen erfüllen kann. Beiträge:Christin Hansen / Julia Quast: Semantiken und Praktiken der Gewalt im Spanischen Bürgerkrieg - eine problematisierende EinführungLena Hein / Elena von Ohlen: Gender and Regional Specificities in International Voluntarism during the Spanish Civil War: Differentiation through a Literary ApproachStephan Horn: Krieg als Reise? Gewalteinschreibungen in der »touristischen« Spanienperzeption von Angehörigen der Legion CondorIna Kühne: Die literarische Inszenierung der Gewalt gegen Frauen im spanischen Frauengefängnis Las Ventas (1931-1969) in dem Roman La voz dormida (2002) von Dulce ChacónHiram Kümper: Songs Against Fascism: Hanns Eisler, Kurt Weill, and the Musical Semantics of Violence in the Spanish Civil WarJulian Muhs: Das politische Lied der Falange. Ästhetisierung von Revolution und OpferbereitschaftAlba Llavina Ros: Rewarded violence: displaced loyalties, colonial pedigree and the construction of a New Order in rebels' Civil Guard (1936-1939)Stephan Scholz: Die visuelle Darstellung von Flüchtlingen als Gewaltopfern im Diskurs zum Spanischen BürgerkriegISSN 1438-8332 Dr. Christin Hansen ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Universität Trier. Promotion 2020 zum Thema: »Wilde« im deutschen Identitätsdiskurs 1830-1870. Fellowships an den DHI in London und Washington. Forschungsschwerpunkte: Geschlechtergeschichte, Faschismusforschung, Spanischer Bürgerkrieg, Internationale Vernetzungen in vor allem der Zwischenkriegszeit, Historische Stereotypenforschung. Julia Quast ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Universität Paderborn. Studium der Geschichte und Public History an den Universitäten Duisburg-Essen und Bochum. Dissertationsprojekt zum Thema Kriegs- und Völkermorddarstellungen in den Sozialen Medien. Forschungsschwerpunkte: Geschichte und Historiographie von Krieg und Genozid, Historischen Medialität von Massengewalt, Anglophone Erinnerungskultur insbesondere in Sozialen Medien und Spielen, Alternate History.



