- ホーム
- > 洋書
- > ドイツ書
- > Fiction
- > detective novels
Description
(Text)
Nur der Hass hält Winsberg noch am Leben. Der Hass auf Prozek, der Winsbergs Sohn umbrachte und auch Winsbergs Frau auf dem Gewissen hat, die vor Schmerz und Gram über den Verlust ihres Sohnes starb. Ihr Sohn Gerhard, ein Geowissenschaftler, fand in der Takla Makan Wüste im Westen Chinas das Winsbergium, ein energiereiches Mineral, das den Hunger der Welt nach neuen Rohstoffen stillen könnte.
Täglich wird Winsbergs Hass von einem Hahn angefacht, den er sich in seinem verwahrlosten Grundstück hält, ein Kot spritzender, farbenprächtiger Teufel, der dem sterbenden Winsberg zunehmend das Leben schwer macht. Winsberg will aber erst sterben, wenn sein Sohn gerächt ist. Selbst ist er dazu nicht mehr in der Lage, aber er kennt jemanden, der das für ihn übernehmen wird, Gregor, ein Obdachloser, der gelegentlich bei Winsberg vorbei kommt. Gregor ist zuverlässig und Winsberg wartet auf die Todesnachricht ...
(Extract)
"Da reckt sich das böse Tier, den Kamm und die ziegelroten Hautlappen wütend geschwollen und das Auge starr und gelb, und auf klafft sein grauer Schnabel wie die Schneiden einer Schere und aus dem Schlund presst das Tier seinen herben Schrei, der sowohl durch das Tal und hinüber und hinauf zum Waldrand scheppert als auch den Schläfer in seinem Gartenstuhl weckt, der in einer dumpfen Benommenheit versunken war, gemischt aus Schlummer, Tagtraum, Erschöpfung sowie der Wirkung des Roten; im Glas, unter dem Stuhl, steht noch eine schaler Rest. Der Schrei zockelt weiter unter die ersten Bäume des Waldes und schreckt den empört seine Antwort kreischenden Eichelhäher auf. Der Mann aber, vom Schrei des Vogels aus seinem betäubten, wirren Zustand gerissen, blinzelt in die Sonne und ohne sich nochmals mit seinen Skrupeln und Bedenken zu beschäftigen, mit denen er sich schon seit Wochen herumschlägt, die ihn peinigten und nicht schlafen ließen, fischt das Handy aus seiner weitläufigen Hosentasche, tippt die Nummer aus dem Gedächtnis ein und lauscht dem fragenden Rufton, der, wie ihm scheint, Hilfe suchend durch den Äther hallt, wartet geduldig, denn er kennt seinen Mann, der seine Geringschätzung für seine Mitmenschen darin zum Ausdruck bringt, dass er erst dann zum Hörer greift, wenn der Anrufer schon jede Hoffnung verloren hat, wartet mit der Ausdauer und Sturheit dessen, der etwas Böses im Schilde führt. "Prozek", schon der Name, mit selbstgefälliger Stimme hingeschnarrt, bestätigt den Hass des Alten in seinem Gartenstuhl und die Nichtigkeit seiner Bedenken. Prozek hat es verdient und der Alte kann ihn von seinem abgelegenen Kaff aus, auf seinem altersschwachen Liegestuhl hockend und inmitten des Gerümpels in seinem Garten, das sich in den letzten drei Jahren auf unerklärliche Weise angesammelt hat, er kann ihn mit einem Wort vernichten. Er formuliert es nun mit ausgedörrten Lippen, aber noch ohne Laut. "Also, was wollen Sie denn?", herrscht ihn Prozeks ungeduldig-auffahrende Stimme auf französisch an. "Point 134", gibt der Alte zur Antwort. Trocken und sachlich, nur diese eine Bezeichnung für einen Ort in der Takla Makan, Wüste, ausgebranntes, trostloses Land, so meerfern wie nur irgendein Ort, meerfern und zugleich denkbar fern einer größeren Stadt, die nächste Bahnlinie hunderte von Kilometern entfernt, wasserlos, ausgetrocknet, nur der stahlblaue Himmel im Herbst erinnert an Wasser. Der Alte wartet auf die Wirkung, die nicht ausbleibt. Prozeks Stimme ist nicht mehr wieder zu erkennen, brüchig, spröde, beinahe gehaucht. "Was wollen Sie? Wer sind Sie?""Du kennst mich, Hundsfott!", der Alte bellt so laut in das Telefon, dass sich der Hahn erneut reckt und sein Signal über das Tal schmettert. "Du hast mich nur vergessen."Schweigen. "Ihr Name bitte", Prozeks Stimme, die sich nach geraumer Zeit wieder meldet, hat sich wieder gefasst. "Winsberg, wie sonst.""Winsberg ", wiederholt Prozek mechanisch. "Alles weitere später", sagt Winsberg. "Ich melde mich demnächst, irgendwann, in irgendeiner Form." Er knipst sein Handy aus. Er hat ihn...."



