Description
Diese linguistisch-gesprächsanalytische Arbeit untersucht ärztliche Erstgespräche auf einer Kopfschmerzambulanz. In detaillierten Analysen von Transkriptausschnitten und Standbildern aus den Videoaufzeichnungen wird rekonstruiert, wie Schmerzen kommunikativ dargestellt und differenziert werden, welche Strategien PatientInnen und ÄrztInnen dazu einsetzen und welche Probleme und schwierigen Interaktionsverläufe dabei entstehen. Es wird deutlich, dass sich PatientInnen nicht präferiert an medizinischen Kategorien orientieren. In den Gesprächen müssen die lebensweltlichen Schmerzdifferenzierungen der PatientInnen in medizinisch-professionelle Diagnoseraster eingepasst werden. Diese Transformation erweist sich als eine genuin interaktive Aufgabe. Das Ergebnis ist ein Konzept einer 'Interaction Based Medicine', das auf die gemeinsame interaktive Konstruktion von Krankheitsbedeutung im Gespräch und die Notwendigkeit einer interaktionszentrierten Erforschung medizinischer Kommunikation verweist.
Dr. Marlene Sator ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. Sie forscht und lehrt v.a. zu den Themen Gesprächsanalyse in Medizin-, Therapie- und Beratungskontexten und Interkulturelle Kommunikation. Außerdem führt sie Fortbildungen und Kommunikationstrainings für ÄrztInnen und anderes medizinisches Personal durch.
Dr. Florian Menz ist seit 1999 außerordentlicher Professor am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Kommunikation in Institutionen, medizinische und Gesundheitskommunikation, Wirtschafts- und Organisationskommunikation, Kommunikation und Massenmedien sowie Sprache und Vorurteil.
Dr. Rudolf de Cillia ist a.o. Universitätsprofessor i. R. für Angewandte Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. Dr. Helmut Gruber ist Universitätsprofessor für Angewandte Sprachwissenschaft und Textwissenschaft am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien.


