Description
(Text)
Konzernchefs erzählen Geschichten, Politiker punkten mit Sentenzen, Werbeexperten betätigen sich als Sprachschöpfer: Im Kampf um das knappe Gut Aufmerksamkeit ist die Literatur als Sinnressource gefragt. Die globale Konjunktur des Storytellings ist nur ein Beispiel für die Enteignung der Poesie, für die Ausbeutung literarischer Formen. Der vorliegende Essay untersucht, wie Medienschaffende und Meinungsmacher Erzählungen, Aphorismen, Dramen und Embleme als Formatvorlagen nutzen. Er zeigt, wie Agenturen und Denkfabriken das Terrain der Literatur besetzen - und wie sich Literatur gegen ihre Enteignung wehren könnte.
(Table of content)
1. Top-Spin oder die Enteignung der Literatur2. Storytelling oder die Enteignung des Erzählens3. Helden müssen fallen oder die mediale Konjunktur des Tragischen4. Kampf der Pointen oder der Aphorismus im politischen Marketing5. Bilderbuch der Gemeinplätze oder die Inflation des Emblematischen6. Es werde Twingo oder die Enteignung des schöpferischen Wortes7. Mythen-Management oder Marketing als regressive Partikularpoesie8. Die Wiederaneignung der Poesie oder die unformatierte ErfahrungHinweis
(Author portrait)
Michael Esders, Jahrgang 1971, promovierte 1999 mit einer Arbeit über "Begriffs-Gesten. Philosophie als kurze Prosa von Friedrich Schlegel bis Adorno". Er arbeitete als Journalist und in der Unternehmenskommunikation. Literaturwissenschaftliche, literarische und essayistische Veröffentlichungen, u.a. über das Grenzgebiet zwischen PR und Poesie.



