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Description
Wer Kino sagt, meint meistens Film. Ebenso ist auch in der Kommunikations- und Medienwissenschaft der Blick - wie der des Publikums - auf die Leinwand gerichtet. Diese Arbeit wendet die analytische Perspektive und blickt in das Kino als soziale und öffentliche Situation. So zeigt sie die vieldimensionale Sozialität des Kinos als soziale Handlungen, als Gemeinschafts- und Gesellschaftserlebnis und als öffentlichen Raum. Denn Filmrezeption im Kino ausschließlich als personale Handlung eines, als vereinzelt vorgestellten, Individuums zu untersuchen, geht an der Realität der Rezeption vorbei und übersieht die vielschichtige Bedeutung unterschiedlicher sozialer Beziehungen für den Kinobesuch sowie die soziale Funktion des Mediums für seine Besucher*innen.Die Studie sammelt und systematisiert das bereits in verschiedenen Disziplinen und Quellen vorhandene, aber verstreute Wissen zur Sozialität des Kinos. Sie spannt einen Bogen von der Kinogeschichte bis zu aktuellen Besuchsstatistiken. Damit legt sie zum einen dar, dass unabhängig voneinander in vielen Bereichen Hinweise vorliegen, die aber so gut wie nie miteinander in Verbindung gebracht wurden und formuliert Desiderata der Kinoforschung.Diese nimmt die Autorin zum Ausgangspunkt für einen Forschungsprozess, der in mehreren Schritten sukzessive Daten erhebt, auswertet und theoretisch integriert. Aus 20 Gruppendiskussionen, 12 Einzelinterviews und 14 Paarinterviews wird ein Modell entworfen, das drei Hauptebenen der Kino-Sozialität vorstellt: die konkreten Beziehungen, die die Besucher*innen ins Kino mitbringen, die Gesellschaft, die sie dort vorfinden und konstituieren, sowie die Öffentlichkeit, die, im Unterschied zum Privaten, als Publikum für die eigene Selbstpräsentation wahrgenommen wird. Im Kinobesuch sind alle drei Ebenen gleichzeitig gegeben und interdependent; gemeinsam konstituieren sie den Sinn des Kinos für sein Publikum.Frau Mehling wurde für diese Arbeit mit dem Habilitationspreis der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ausgezeichnet (2025). DankEinleitung1. Was es heißt, ins Kino zu gehen - eine sozialwissenschaftliche Lesart1.1 Die Sozialität des Kinos - Indizien aus der Belletristik1.2 Die Sozialität des Kinos - Indizien aus der Perspektive von Filmschaffenden1.3 Die Sozialität des Kinos - Indizien aus der Filmwissenschaft2. Kinopublikumsforschung: Erkenntnisse und Desiderata hinsichtlich der Sozialität des Kinobesuchs2.1 Kinopublikumsforschung für die kommerzielle Praxis. Erforschung des Entscheidungs- und Filmauswahlverhaltens2.2 Kinopublikumsforschung in der Filmwissenschaft2.2.1 Psychoanalytische Orientierung in der Filmwissenschaft2.2.2 Kognitionspsychologische Orientierungen in der Filmwissenschaft2.3 New Cinema History - die historisch-empirische Wende in der Filmwissenschaft hin zum Publikum2.4 Kinopublikumsforschung in der Kino- und Filmsoziologie2.4.1 Soziologie des frühen Kinopublikums872.4.2 Soziologische Sicht auf die sozialstrukturellen Rahmenbedingungen des Kinobesuchs2.4.3 Soziologie der Kinogesellschaft2.4.4 Die Gesellschaft im Film und im Kino2.4.5 Soziologie und Kino als Konkurrenz2.4.6 Interdependenz von Film und Gesellschaft2.4.7 Filmsoziologie2.4.8 Makro- vs. mikrosoziologische Ansätze2.5Kinopublikumsforschung in der Kommunikationswissenschaft2.5.1 Information vor dem und Persuasion zum Kinobesuch2.5.2 Einbettung des Kinobesuchs in übergeordnete soziokulturelle Muster2.5.3 Einbettung in Lebensläufe - biografische Kinopublikumsforschung2.5.4 Soziale Motive bei der Filmselektion2.5.5 Soziale Einflüsse auf die Selektion des Kinos2.5.6 Soziale Filmrezeption, Einfluss der sozialen Situation auf die Filmwirkung2.5.7 Verhalten im Kino3. Daten zum Kinopublikum und zum Kinobesuch in Deutschland3.1 Quellen3.2 Kinoreichweite und soziodemografische Merkmale des Kinopublikums3.2.1 Reichweite und Nutzungsdauer3.2.2 Altersstruktur3.2.3 Geschlecht3.2.4 Weitere soziodemografische Merkmale des Kinopublikums3.3 Der Kinobesuch: Häufigkeit, Ausgaben, Begleitung, Planung, Kinotypen, Informationsquellen3.3.1 Häufigkeit des Kinobesuchs3.3.2 Ausgaben für den Kinobesuch3.3.3 Begleitpersonen3.3.4 Planung des Kinobesuchs: Zeit und Kinotyp3.3.5 Informationsquellen für die Filmauswahl3.4 Nutzungsmotive3.5 Publikumspräferenzen3.5.1 Produktionsländer3.5.2 Genres3.5.3 Kinotyp4. Zwischenfazit4.1 Zusammenfassung des Forschungsstands4.2 Offene Fragen und Desiderata4.2.1 Die Binnenperspektive4.2.2 Die Kino-Öffentlichkeit - der Ort, an dem Gesellschaft erlebbar wird4.2.3 Der Kinobesuch als gemeinsame Hervorbringung4.2.4 Erweiterung des Methodenspektrums5. Grounded Theory Method als Leitprinzip5.1 Methodische Entwicklung und Begründung der Erhebungsverfahren5.1.1 Gruppendiskussion5.1.2 Einzelinterviews5.1.3 Paarinterviews5.2 Überblick über den Datenkorpus5.2.1 Phase 1 - explorative Gruppendiskussion5.2.2 Phase 2 - leitfadengestützte Einzelinterviews5.2.3 Phase 3 - Gruppendiskussionen5.2.4 Phase 4 - Paarinterviews5.3 Auswertungsverfahren5.3.1 Praktische Schritte5.3.3 Verstehen als Sinn-Archäologie oder als Sinn-Schöpfung?6. Die soziale Struktur des Kinobesuchs und der Filmrezeption im Kino6.1 Kinobesuche allein - nur selten eine Attraktion6.1.1 Alleingänger*innen in Einzelinterviews6.1.2 Allein ins Kino? Nie im Leben!6.1.3 Assoziationen, die Alleingänger*innen wecken6.1.4 Allein ins Kino? Vorstellbar, wenn es nicht furchterregend ist6.1.5 Einsamer Konsum - die Restaurant-Metapher6.1.6 Alleingänger*innen in Gruppendiskussionen6.1.7 Gründe, die gegen den Kinobesuch allein sprechen6.1.8 Zwischenfazit6.2 Der Kinobesuch in Gemeinschaft - die Begleitpersonen6.2.1 Entscheidungen treffen6.2.1.1 Die Einigen6.2.1.2 Die Zielstrebigen6.2.1.3 Die Mäandernden6.2.2 Sozialität in den kognitiven Skripten von Kinobesuchen6.2.2.1 Beginn und Ende6.2.2.2 Skripte des Kinobesuchs6.2.2.3 Abhängigkeit der Skripte von den Begleitpersonen6.2.2.4 Paarkonstellationen6.2.3 Ein Paar werden im Kino? Zum Verschwinden Gabriele Mehling ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Kommunikationswissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. In ihrer Forschung befasst sie sich u. a. mit der Rezeptionsforschung im Bereich der audiovisuellen Kommunikation. Sie studierte Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Politikwissenschaft.



