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Description
Obwohl die SED-Elite das Kino in der DDR als politische Kulturinstitution etablieren wollte, funktionierte es letztlich kaum anders als das Kino in der Bundesrepublik. Das vorliegende Buch basiert auf einer breiten empirischen Basis: Umfangreiche Aktenbestände zum DDR-Kino wurden ausgewertet und erstmals jährliche Kinocharts erstellt.Die SED-Elite im Politbüro und im Ministerium für Kultur setzte den Film in der DDR gezielt als Instrument zur politischen Erziehung der Ostdeutschen ein. Zu diesem Zweck wurden die Filmproduktion, der Filmverleih und die Kinos verstaatlicht und ein komplexes zentralistisch-hierarchisches Steuerungssystem aufgebaut. Alle wichtigen filmpolitischen und filmwirtschaftlichen Funktionen wurden mit SED-loyalem Personal besetzt und von der Staatssicherheit kontrolliert. Die Filme mussten dem übergeordneten Ziel der politischen Erziehung entsprechen, weshalb Unterhaltungsfilme aus dem Westen nur in Ausnahmefällen zugelassen wurden. Um eine bevorzugte Programmierung politisch erwünschter Filme zu erreichen, wurden die Verleih- und Eintrittspreise der Filme differenziert. Der Versuch, das Kino als politische Kulturinstitution zu etablieren, scheiterte jedoch letztlich am ostdeutschen Publikum. Die Mehrheit ignorierte die politisch erwünschten Filme, auch die der DEFA, und entschied sich für die wenigen Unterhaltungsfilme aus dem Westen, die auch das westdeutsche Publikum begeisterten. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Filmbetriebe wie der Verleiher, die Bezirksfilmdirektionen und Kinos richteten die Kopienzahl pro Film an der zu erwartenden Publikumsnachfrage aus und zeigten die Filme in den Kinos so oft, wie zahlende Zuschauer kamen. Um politischem Druck zu entgehen, meldeten sie die Besucherzahlen nur selektiv an das Ministerium für Kultur, indem sie Informationen zurückhielten oder manipulierten. Das Buch erweitert die Möglichkeiten film- und kinogeschichtlicher Forschung, indem es die nachhaltige Prägung des Kinos im Kontext von Filmpolitik, Filmwirtschaft und Kinopublikum analysiert. Es bietet dazu innovative Instrumente wie die jährlichen Kinocharts der DDR von 1952 bis 1989 und methodisches Wissen, wie der Erfolg von Filmen erhoben und länderübergreifend verglichen werden kann. Nicht zuletzt regt das Buch zum Nachdenken über autokratische Staaten an, die oft weit weniger effizient funktionieren, als es den Anschein hat. VorwortEinleitungI. Zentralisierte Organisation und Kontrolle des Kinos1. Politische Steuerung1.1 SED-Primat und staatliche Kontrolle1.2 Kino als Kultur- und Bildungsinstitution1.3 Finanzierung des Kinowesens2. Organisation der Filmwirtschaft2.1 Progress-Filmverleih2.2 Bezirksfilmdirektionen und Spielstellen2.3 Bidirektionale Wissenskontrolle3. Marketingstrategien der Zuschauerlenkung3.1 Filmauswahl und kulturelle Anpassung3.2 Werbung und Propaganda3.3 Differenzierung der Miet- und EintrittspreiseII. Wahl und Präferenzen der Zuschauer4. Zuschauerforschung: Filmpräferenzen und -erfolg4.1 Begriffliche Konzepte4.2 Messung der Präferenzen4.3 Stichprobe für die Erhebung5. Wahlfreiheit des Publikums und der Kinomacher5.1 Entscheidungsprozesse der Zuschauer5.2 Publikumsstrukturen im Wandel5.3 Engagement der Kinomacher für ihr Publikum6. Präferenzen des Kinopublikums6.1 Eine Wahl des Vergnügens6.2 Übereinstimmung deutsch-deutscher Filmvorlieben6.3 Gleichklang im WandelIII. Theoriebildung7. Das Kino der DDR7.1 Machtbalancen7.2 Motive der Filmauswahl7.3 PräferenzwandelAusblickDankAnhangAnhang 1: Der NutzungsindexAnhang 2: Die POPSTAT-Methode und ihre ModifikationAnhang 3: Die POPMatch-MethodeAnhang 4: Die POPForm-MethodeAnhang 5: DDR-Kinocharts, 1952-1989Verzeichnis der AbbildungenVerzeichnis der TabellenVerzeichnis der GrafikenLiteraturverzeichnis Joseph Garncarz ist Professor i. R. am Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln. Seine Forschungsschwerpunkte sind Film- und Kinogeschichte. Er lehrte an verschiedenen Universitäten in Europa, leitete mehrere Forschungsprojekte und veröffentlichte eine Reihe von Monografien, darunter Hollywood in Deutschland: Zur Internationalisierung der Kinokultur, 1925-1990 (2013), Wechselnde Vorlieben: Über die Filmpräferenzen der Europäer, 1896-1939 (2015) und Begeisterte Zuschauer: Die Macht des Kinopublikums in der NS-Diktatur (2021). Seine Publikationen wurden ins Englische, Französische, Tschechische und Polnische übersetzt. Seine Forschung wurde wiederholt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und 2011 mit dem Willy-Haas-Preis ausgezeichnet.



