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Description
Mit der digitalen Medienrevolution ist mediale Sichtbarkeit zu einem zentralen Mittel der Konfliktaustragung geworden - und dadurch selbst so umkämpft wie nie. Ganz entscheidend hierbei: Augenzeugenvideos, mit denen Amateure auf Social Media Gegensichtbarkeit zu den Bildern der professionellen Berichterstattung erzeugen. Am Beispiel der französischen Gelbwesten-Proteste fragt dieses Buch deshalb nach den heutigen Bedingungen und Praktiken medialer Augenzeugenschaft. Zu diesem Zweck rekonstruiert es das vehemente Ringen um die Darstellung einzelner Protestereignisse: Welche Strategien und Ressourcen setzten staatliche Akteure, Aktivisten und professionelle Journalisten ein? Hatten sie damit Erfolg? Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse entsteht ein neues Modell für die Analyse jener "Sichtbarkeitskämpfe", aus denen die mediale Sichtbarkeit heutiger politischer Konflikte hervorgeht. 1. EinleitungTeil I: Grundlagen2. Die Gelbwesten - Konturen einer Protestbewegung2.1 Entstehung und Zusammensetzung2.2 Forderungen2.3 Protestformen: Netzförmigkeit und Repräsentationsverweigerung2.4 Reaktionen der Politik: Repression und »Große Nationale Debatte«3. Forschungsstand3.1 Sichtbarkeit und ihre Ambivalenzen3.1.1 Zum Verhältnis von Medium, Medialisierung und Sichtbarkeit3.1.2 Zum Verhältnis von Sichtbarkeit und Macht3.2 Zum Verhältnis von Sichtbarkeit und Protest3.2.1 Protest als »essenziell visuelles Phänomen«3.2.2 Journalistische Sichtbarmachungen von Protest3.3 Augenzeugenschaft als Schlüsselprinzip medialer Sichtbarkeitskonstruktion3.3.1 Augenzeugenschaft und die Frage der Glaubwürdigkeit3.3.2 Die Kamera als Apparat der Evidenz3.3.3 Augenzeugenschaft als umkämpftes Feld der Sichtbarkeitserzeugung3.4 Bedingungen der Augenzeugenschaft im digitalen Zeitalter3.5 Begründung des eigenen Ansatzes4. Theoretischer Ansatz4.1 Grundbegriffe der Bourdieu'schen Feldtheorie4.2 Ereigniskonstruktion im Feld der medialen Augenzeugenschaft4.3 Revolutionen und Übergriffe: Dynamiken des Wandels in Feldern4.3.1 Das Eindringen der Haretiker4.3.2 Medialisierung und Hybridisierung von Feldern4.3.3 Übergriffiges Handeln aus benachbarten Feldern4.4 Mediale Sichtbarkeit als Frage des Framings5. Methodisches Vorgehen5.1 Forschungsfragen5.2 Method(olog)ische Herausforderungen einer Bourdieu'schen Feldanalyse5.3 Grounded Theory als reflexiver Verfahrensrahmen5.4 Theoretical Sampling als Strategie der Fallauswahl5.5 Materialrecherche und -erhebung5.6 Fallanalyse und -vergleich: Codieren mit der Grounded Theory5.7 Die Rolle theoretischen Vorwissens5.8 Grounded Theory und die Gütekriterien qualitativer Forschung5.9 Zur Präsentation der ErgebnisseTeil II: Analyse6. ZEIGEN: Die aktive Herstellung von Sichtbarkeit6.1 Kampf um die Darstellung der Bewegung6.1.1 Randale und vermummte Extremisten: journalistische Darstellungen des 1. Dezembers 20186.1.2 Lokale Journalisten und Korrespondenten im Ringen um alternative Darstellungen6.1.3 Heldenbilder: Amateurbilder als Mittel der positiven Selbstdarstellung6.1.4 Opferbilder: Amateurbilder als Mittel der Mobilisierung6.1.5 Amateurvideos und die Ästhetik des Authentischen6.1.6 Zwischenbilanz6.2 Kampf um die Darstellung der Polizei6.2.1 Christophe Dettinger: Skandal um einen gelben Boxchampion6.2.2 Gegenskandal: Der boxende Polizist6.2.3 Sousveillance: Sichtbarmachung der Polizei von 'unten'6.2.4 Abschließende Bilanz6.3 Exkurs: Plattformen als intervenierender Faktor7. VERSCHLEIERN: Das Ringen um Unsichtbarkeit7.1 Staatliche Bilderkontrolle7.1.1 Zineb Redouane: ein übersehener Tod?7.1.2 Das visuelle Vakuum: die Abwesenheit der Bilder7.1.3 Zwischenbilanz7.2 Polizeiliche Versuche des Sichtbarkeitsmanagements7.2.1 Die Festnahme des Journalisten Gaspard Glanz7.2.2 Polizeiliche Anti-Sousveillance7.2.3 Abschließende Bilanz8. DEUTEN: Sichtbarkeitskämpfe als Deutungskämpfe8.1 Amateurvideos als Objekt des Deutungskampfs8.1.1 »Durchdrehende Kinder« und »wilde Randalierer«: die Schülerproteste in den klassischen Medien8.1.2 Die knienden Schüler von Mantes-la-Jolie8.1.3 Das medienmächtige Publikum im Deutungskampf8.1.4 Gefahren der Kontextverletzung: der Amateur als Enthüller8.1.5 Zwischenbilanz8.2 Amateurvideos als Ressource journalistischer Beweisführung8.2.1 Eine Verletzung aus multiplen Perspektiven8.2.2 allo @Place_Beauvau: das offene Archiv des David Dufresne8.2.3 Journalistische Bildforensik und Open-Source-Formate8.2.4 Abschließende Bilanz9. FÄLSCHEN: Diffamierende Fakes9.1 Gefälschte Amateurvideos als Skandalisierungsinstrumente9.1.1 Skandal um den Tod von 'Coralie'9.1.2 Die Verlockung der Fälschung9.1.3 Zwischenbilanz9.2 Regierungs-Fake-News als Skandalisierungsinstrumente9.2.1 'Angriff' auf das Krankenhaus der Pitié-Salpêtrière9.2.2 Dramatisierung als Strategie9.2.3 Abschließende Bilanz10.REGULIEREN UND NORMIEREN: Kämpfe um Regeln, Normen und Routinen der Augenzeugenschaft10.1 Aktivistische Normierungsversuche10.1.1 Medienkritik und -feindlichkeit bei den Gelbwesten10.1.2 Media Culpa: Reaktionen aus dem Journalismus10.1.3 Zwischenbilanz10.2 Staatliche Regulierungsversuche10.2.1 Die Loi Sécurité Globale: Sicherheits- oder Sichtbarkeitsgesetz?10.2.2 Regulierungsabwehr durch Skandalisierung10.2.3 Abschließende Bilanz11. Resümee: Das neue Feld der medialen Augenzeugenschaft12. Ausblick13. Quellenverzeichnis14. Abbildungsverzeichnis15. Anhang Dr. Lara Luttenschlager, Jahrgang 1992, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen. In Tübingen absolvierte sie zunächst ein Bachelorstudium der Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Sinologie und war mehrere Jahre als Redaktionsassistentin und Dolmetscherin bei den Französischen Filmtagen Tübingen/Stuttgart tätig. Es folgte ein Masterstudium der Internationalen Studien/Friedens- und Konfliktforschung an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Parallel dazu arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft am PRIF Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung im Projekt Norm-Linkage als Legitimitätspolitik: Die Interaktion von Schutz- und Strafverfolgungsnormen in Debatten über humanitäre Kriseninterventionen. Im Anschluss promovierte sie bei Prof. Dr. Bernhard Pörksen zum Einfluss von Augenzeugenvideos im Internet auf die mediale Sichtbarkeit von sozialen Konflikten und auf journalistische Praktiken. Zu ihren zentralen Themengebieten und Forschungsinteressen gehören: Media Witnessing, Medienaktivismus, visuelle Kommunikation sowie Veränderungen in Journalismus und Gesellschaft durch die Digitalisierung.



