Description
Der Band zeigt die jahrhundertelangen literarischen Verflechtungen zwischen Ukraine und deutschsprachigem Raum, beleuchtet bislang unerforschte Bereiche dieser Beziehung und bietet einen kompakten, analytischen Einblick in die ukrainische Literaturgeschichte.
Im Laufe der Jahrhunderte hat die Ukraine tiefe historische und kulturelle Beziehungen zu den deutschsprachigen Ländern gepflegt. Als ehemalige Kronländer des Habsburgerreichs waren die westukrainischen Regionen Galizien und Bukowina bis Ende des Ersten Weltkriegs Teile eines einheitlichen deutschsprachigen politischen und kulturellen Raumes. Westukrainische Schriftsteller wie Iwan Franko, Jurij Fedkowytsch oder Olha Kobylanska haben gelegentlich auch auf Deutsch geschrieben, zahlreiche Werke von Taras Schewtschenko, Lesja Ukrainka, Mychajlo Koziubynskyj und Wasyl Stefanyk wurden ins Deutsche übersetzt. Im Gegenzug nahmen deutschsprachige, aus diesen Kronländern der Donaumonarchie stammende Autoren - wie Leopold von Sacher- Masoch, Karl Emil Franzos, Joseph Roth, Soma Morgenstern, Rose Ausländer, Manès Sperber und Gregor von Rezzori - sowie zur nächsten Generation zählenden, ebenfalls auf Deutsch schreibende Lyriker - wie Paul Celan, Alfred Gong, Immanuel WeiÃglas und Manfred Winkler - ukrainische Themen und Motive in ihre Werke auf. Zwischen der heutigen Ukraine und den deutschsprachigen Ländern haben sich so immer mehr Fäden gewissermaÃen zu einer Art literarischen Netzwerks verdichtet, das den Lesern noch nie so viele Möglichkeiten wie heute eröffnet hat, sich mit der spannenden Literaturgeschichte der Ukraine zu befassen. Doch bis heute finden sich Lücken, die ihrer literaturwissenschaftlichen Erfassung noch harren. Etliche Aspekte dieses Problemfeldes werden im vorliegenden Buch erhellt und kritisch-analytisch dargestellt. Der Band wendet sich an Slawisten, Komparatisten, Osteuropahistoriker und alle, die einen tieferen Einblick in die reiche Literatur- und Kulturgeschichte der Ukraine erhalten wollen.
Prof. Dr. Petro Rychlo lehrt Allgemeine Literaturgeschichte an der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz/Tscherniwzi. Er ist Verfasser zahlreicher Monographien und Anthologien zur deutschsprachigen Literatur der Bukowina und als literarischer Ãbersetzer tätig, unter anderem der ersten deutsch-ukrainischen Gesamtausgabe der Gedichte von Paul Celan in zehn Bänden. Zuletzt sind von ihm erschienen: Mit den Augen von Zeitgenossen: Erinnerungen an Paul Celan (Suhrkamp 2020); Stationen poetischer Entwicklung: Paul Celans Gedichtbände in chronologischhistorischer Folge (Vandenhoeck & Ruprecht 2022), "Zerrissne Saiten einer überlauten Harfe ...": Deutschjüdische Dichter der Bukowina (ibidem-Verlag 2023). Für seine übersetzerische und literaturwissenschaftliche Tätigkeit wurde er 2024 mit dem Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.
Andreas Umland, M.Phil. (Oxford), Dr.Phil. (FU Berlin), Ph.D. (Cambridge), Research Fellow at the Swedish Institute of International Affairs in Stockholm, Senior Expert at the Ukrainian Institute for the Future in Kyiv, and Associate Professor at the National University of Kyiv-Mohyla Academy.


