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Description
»In einer Wüste karg und darr,
Auf dem von Glut geborstnen Grunde,
Ragt wie ein Posten drohend starr,
Ein Baum allein in leerer Runde.
Der Steppen durstgequältes Glühn
Hat ihm am Tag des Zorns sein Leben
Und seiner Zweige totes Grün
Und seinen Wurzeln Gift gegeben.
Doch einen Menschen hat ein Mensch
Entsandt mit herrscherlichem Blicke:
Der brach gehorsam auf und kehrt
Gen Morgen mit dem Gift zurücke.
Er bracht es heim - und leichenfarb
Sank, als die Kräfte ihn verließen,
Der arme Sklav' ins Zelt und starb,
Dem Unbesiegbaren zu Füßen.
Der Fürst hat mit dem Gift getränkt
Die Pfeile, die ihm blind vertrauen,
Und damit Untergang gelenkt,
Zu Nachbarn in entfernten Gauen.«
So A. Puschkin im vor 200 Jahren verfassten Gedicht »Antschar«, hier in der Übersetzung von R. Keil. Paul Glöckner wurde 1934 in der wolgadeutschen Republik in einer Lehrerfamilie geboren. Als er sieben Jahre alt war, wurde die Familie nach Nordkasachstan vertrieben. Nachdem er 1953 die Zehnjahrschule beendet hatte und wegen der Spezialkommandantur seinen Traum, Architekt zu werden, nicht realisieren durfte, wurde er Lehrer der deutschen Sprache in der Siebenjahrschule im Ort Komarowka. 1954 trat er in die Fremdsprachenfakultät der Kasachischen Staatshochschule zu Alma-Ata ein, absolvierte sie und wurde 1959 - als diplomierter Lehrer seiner Muttersprache - samt seiner Mitstudentin und Ehefrau Maria - nach Westkasachstan geschickt. Beide arbeiteten in der Stadt Uralsk und erzogen zwei Töchter. Von 1972 an arbeitete er fünfzehn Jahre als Organisator der Erziehungsbeihilfe in der Schule Nr. 9, dann als Direktor der Schule Nr. 32. Nach dem Tod seiner Frau zog er 1993 samt Töchtern nach Deutschland, wo er als Rentner in seiner geschichtlichen Heimat Wetzlar lebt. Sein Vater wurde 1942 wegen angeblicher konterrevolutionärer Tätigkeit zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde später in 10 Jahre GULag umgewandelt und er kam erst 1953, nur Haut und Knochen, zur Familie zurück. Seine Mutter entkam nur knapp der Arbeiterarmee, sie musste ab 1941 als Kolchosbäuerin schuften und durfte erst ab 1946 wieder als Lehrerin arbeiten. Das Schicksal seiner Familie und Millionen anderer Russlanddeutscher inspirierte Paul Glöckner zu seinen, die Grausamkeiten des Stalinismus entlarvenden Romanen »Simorodok«, »Leid und Tod« und »Isgoi«, die seit 2021 im R. G. Fischer Verlag veröffentlicht wurden.



