- ホーム
- > 洋書
- > ドイツ書
- > Humanities, Arts & Music
- > Linguistics
Description
(Text)
Nach 1945 vermochte die europäische Literatur nicht nur in die schmerzhafte Geologie einer durch die Gewalt von Kriegen und nuklearer und industrieller Verwüstung geschändeten Natur einzutauchen, sondern auch die Wunden, die Ansteckung, die Erinnerung an Katastrophen im Wort selbst aufzunehmen, so dass es zum Ort des Widerstands und des Überlebens einer in ihren natürlich-kulturellen Voraussetzungen neu definierten Natur wurde. Davon ausgehend hinterfragt dieser Band die Umweltstörung als ein Phänomen, welches eine höchst produktive Spannung zwischen der literarischen Sprache und den Katastrophen, die das Gleichgewicht der Umwelt im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts überwältigt haben, erzeugen kann. Dankder Interferenz zwischen den Usurpationen politisch-ökonomischer Macht gegen die Gleichgewichte der Umwelt und dem Wort hat die Literatur mit Poetiken der Kontamination und der Störung experimentiert, welche unerhörte Umweltvorstellungen und Formen des Zusammenlebens unter den Spezies erschließen. Während der anthropozentrische Diskurs über die Darstellung von Mooren und Sumpfgebieten in der Literatur deren poröse Dimension als unerschöpfliche symbolische Quelle einer mit der romantischen Tradition immer noch verbundenen Ästhetik des Verfallenen und Morbiden betrachtete, werden diese hybriden, feuchten Umwelten im Band anhand zahlreicher Beispiele aus der Lyrik und der Prosa seit 1945 in einem ökomimetischenSinne (Timothy Morton) erörtert und als semiotische Orte eruiert, wo Störung und Resilienz eine beispiellose Verflechtung zwischen Sprache, Materie und Lebewesen mitbestimmen.
(Author portrait)
Amelia Valtolina, Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Università degli Studi di Bergamo. Zuletzt erschienen auf Deutsch u.a.: GegenWorte - GegenSpiele. Zu einer neuen Widerstandsästhetik in Literatur und Theater der Gegenwart (2018, hrsg. mit E. Béhague, H. Klessinger); In absentia. Zur Poetik der Latenz in Rainer Maria Rilkes Dichtkunst (2021); Bäume lesen. Europäische ökologische Lyrik seit den 1970er Jahren (2021, hrsg. mit M. Braun).Raul Calzoni, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Università degli Studi di Bergamo. Publikationen u. a.: Translation and Interpretation: Practicing the Knowledge of Literature (2022, hrsg. mit F. Di Blasio, G. Perletti); Der Vampir: Ein europäischer Mythos des kulturellen Transfers (2023, hrsg. mit K. von Hagen); Representations of Work in Literature and Visual Culture (2023, hrsg. mit. V. Serra).



