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Description
Die Auseinandersetzung mit der »Kritik der reinen Vernunft« ist auch nach fast einem Vierteljahrtausend für alle zentralen Theoriestücke kontrovers geblieben. Dieser irritierende Sachverhalt bildet den Ausgangspunkt von Joachim Vahlands kritischer Studie, die - auch im Widerspruch zu Kants Selbstverständnis - in historischer wie systematischer Perspektive der Frage nachgeht, inwieweit die Ausnahmestellung der »Kritik« sachlich begründet ist.Während Kant selbst seit der »Göttinger Rezension« für seine Transzendentalphilosophie eine realistische Grundlegung reklamiert, verläuft die in der Kritik entwickelte Theorie faktisch in entgegengesetzter Richtung - hin zu einer monadischen »Selbstgebärung« der Vernunft, »ohne durch Erfahrung geschwängert zu sein« (B 793). Kants Kommentierungen seines Projekts haben entscheidend zu dessen disparater Rezeption beigetragen.Der seit Descartes nahezu verbindlich gewordene Ausgang vom Bewusstsein und seinen Vorstellungen erzwingt einen Wahrheitsbegriff, dessen Legitimation wesentlich auf Zustimmung, d. h. auf einem Akt der Anerkennung, beruht. Damit kommt ein letztlich nicht kontrollierbares dezisionistisches Moment ins Spiel und in der Folge eine Selbstaufhebung des Apriorismus, womit der Meinung (dóxa) der Rang einer letztverbindlichen Urteilsinstanz zuerkannt wird - angesichts gegenwärtiger Diskurslagen eine beunruhigende Konsequenz. Joachim Vahland unterrichtete bis zu seiner Pensionierung Deutsch und Philosophie an der Kieler Max-Planck-Schule; Mitherausgeber von »zeno. Jahrheft für Literatur und Kritik« (1980-2022), zahlreiche journalistische Beiträge und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Sammelbänden; Monographien über Gottfried Benn und Max Weber, Co-Autor der Essay-Sammlung »Das Ende der Kritik«. »[...] wie auch immer man sich zu den Ausführungen Vahlands stellen will, stellt sein Buch doch einen erfrischenden Angriff auf einen der Großdenker der Geschichte dar. Mit Kant gegen Kant denken sozusagen, wenn man Kants Wahlspruch der Aufklärung: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen", ernst nimmt. Und in einer Sache hat Vahland ja zweifellos recht: Denker und Denkerinnen werden von ihren Deutern und Deuterinnen mitunter bis zur Betriebsblindheit hochgehalten. Entscheidend ist aber doch, nicht nur ihre Lehren zu verteidigen, sondern vor allem aus ihnen zu lernen. Und dass man aus Fehlern anderer großer Denker etwas lernen könnte, das hat nun wirklich Immanuel Kant immer wieder betont.« Michael Hesse in der Frankfurter Rundschau, 29.06.2026
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