Description
(Short description)
Im »Fachausschuß für Eugenik« des Centralausschusses für Innere Mission wurde über die Themen Eugenik, Sterilisation, Schwangerschaftsabbruch und Euthanasie diskutiert. 130 Theologen, Mediziner, Juristen und Fürsorger diskutierten über Fragen der Sexualität, der Fürsorge, den Beginn des Lebens und den Umgang mit zwangssterilisierten Menschen. Die Wortprotokolle sind eine einmalige Quelle über diese Themen in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Sie werden erstmals ediert, eingeleitet und kommentiert und die 130 Teilnehmer vorgestellt.
(Text)
Im »Fachausschuss für Eugenik« (ab 1934 »Ständiger Ausschuss für Rassenhygiene und Rassenpflege«) des Central-Ausschusses für Innere Mission wurde in den Jahren 1931 bis 1938 stellvertretend für die Evangelische Kirche über die Themen Eugenik, Sterilisation, Schwangerschaftsabbruch und »Euthanasie« diskutiert. 130 Theologen, Mediziner, Juristen und Juristinnen, Fürsorger und Fürsorgerinnen aus fast allen evangelischen Landeskirchen, diakonischen Einrichtungen und Verbänden besprachen Fragen der Sexualität, der Fürsorge, den Beginn des Lebens oder den Umgang mit zwangssterilisierten Menschen - Komplexe, die bis zur Gegenwart von großer gesellschaftlicher Bedeutung sind.Die hier vollständig und kommentiert vorliegenden Wortprotokolle sind insgesamt eine einmalige Quelle über den Meinungsbildungsprozeß zu diesen Themen am Ende der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus. https://www.regionalgeschichte.de/detailview?no=1543 https://d-nb.info/1342662717
(Table of content)
Vorwort und Danksagung - 13Uwe Kaminsky: Einleitung - 151. Die Debatte über Eugenik und "Euthanasie" und die Protokolle des Ausschusses - 152. Die Teilnehmenden in gruppenbiographischer Perspektive - 263. Der Verlauf der Sitzungen 1931-1938 - 354. Die Nachgeschichte - Nationalsozialistische "Euthanasie" - 775. Der Umgang mit der Zwangssterilisation nach 1945 - 826. Der Eugenische Arbeitskreis 1959-1969 - 86DokumenteDokument 1 Einladung zur ersten Fachkonferenz 1931 - 92...Dokument 63 Einladung zu einer "Arbeitsgemeinschaft" über Fragen der Erb- und Rassenpflege 1942 - 566Biographisches Glossar der Teilnehmenden an den Ausschuß-Sitzungen - 567Quellen- und Literaturverzeichnis - 595Archivalien - 595Literatur vor 1945 - 596Literatur nach 1945 - 608Abkürzungsverzeichnis - 633Personenregister - 635
(Review)
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurden intensive Debatten über die Möglichkeiten und Bedingungen staatlicher Eingriffe in das Reproduktionsverhalten der Bevölkerung geführt. Das Ziel des »eugenischen« bzw. »rassenhygienischen« Diskurses bestand darin, durch eine gezielte Kombination von »Auslese« und »Ausmerze« die »Volksgesundheit« zu verbessern und das staatliche Gesundheits- und Versorgungssystem zu entlasten. Nach diesem Verständnis waren Schwerstkranke und Menschen mit Behinderungen v.a. ein Kostenfaktor. Als vermeintliche »Lösungen« gerieten (Zwangs-)Sterilisationen, Schwangerschaftsabbrüche oder auch die Tötung Neugeborener in den Blick. Die Institutionen des organisierten Protestantismus hielten sich lange zurück. In der Inneren Mission kam es erst während der Spätphase der Weimarer Republik zu einschlägigen Diskussionen. Der vorliegende Quellenband ediert und kommentiert die Wortprotokolle des »Fachausschusses für Eugenik« (ab 1934: »Ständiger Ausschuss für Rassenhygiene und Rassenpflege«) des Central-Ausschusses für Innere Mission. Die Protokolle dokumentieren unterschiedliche Haltungen und Lernprozesse, aber auch - vor dem Hintergrund der zunehmenden »Gleichschaltung« und des sich fortlaufend radikalisierenden NS-Regimes - ihre zunehmende Ohnmacht, auf die Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Karsten Wilke, in: Ravensberger Blätter 2025 (erscheint im Herbst 2025)



