Description
Nischen besitzen etwas Randständiges, ja geradezu Abseitiges. Sie existieren nicht für sich allein, sind keine neutralen Orte, sondern leben vom Kontrast zum Außen. Als Gegenentwurf zum dominanten Raum stellt die Nische ein Refugium dar, das anders funktioniert, anders denkt, anders tickt. Das Verhältnis zwischen Außenwelt und Nische bleibt indes ambivalent. Einerseits versuchen sich kulturelle oder soziale Nischen der Vereinnahmung durch den Mainstream zu entziehen. Andererseits fungieren Nischen auch als Avantgarde, mit dem Anspruch, gesellschaftlichen Wandel überhaupt erst in Gang zu setzen. Das Beitragspanorama dieser Ausgabe zeigt, wie Nischen Identität stiften, Handlungsspielräume eröffnen und Rückzugsorte bieten sowie individuelle und kollektive Erfahrungsräume prägen können. Gleichzeitig lässt sich auch der ambivalente Charakter mancher Nischenpraktiken erkennen - entziehen sich diese abseitigen Orte doch mitunter nicht nur etwaigen Kontrollinstanzen, sondern auch dem kritischen Diskurs und können auf diese Weise Extremismen befördern. Frank Decker ist Professor für Politische Wissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Wissenschaftlicher Leiter der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP).



