Description
(Short description)
Die Arbeit untersucht die strafrechtliche Verantwortlichkeit von Anbietern sozialer Netzwerke und entwickelt Ansätze zur Relationierung straf- und medienrechtlicher Wertungen. Im Fokus stehen die dogmatische Einordnung von Anreizarchitekturen sozialer Netzwerke und die erweiterte Verantwortlichkeit von sog. Anbietern nachgelagerter Ordnung. Durch die abstrakte Analyse digitaler Kommunikationscharakteristika wird versucht, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Medienstrafrechtsdogmatik zu leisten.
(Text)
Die Arbeit untersucht die strafrechtliche Verantwortlichkeit von Anbietern sozialer Netzwerke sowie »Anbietern nachgelagerter Ordnungen« (z.B. Gruppenadministratoren, Profilseitennutzer etc.). Dafür werden technische Architekturen sozialer Netzwerke analysiert und ihre Rolle bei der Förderung von (strafrechtswidriger) Kommunikation bewertet. Im Zentrum der Arbeit stehen Zurechnungsfragen in der digitalen Sphäre. Beleuchtet werden unter anderem die objektive und subjektive Zurechnung, mögliche Beteiligungs- und Verhaltensformen sowie Garantenpflichten. Es werden digitale Kommunikationsmerkmale (Permanenz, Beherrschbarkeit, Distanz, Neutralität und Multifunktionalität) auf ihre Relevanz für strafrechtliche und medienrechtliche Fragestellungen untersucht und erste Lösungen für deren Integration in bestehende Dogmen entwickelt. Dadurch sollen Impulse zur Entwicklung einer Allgemeinen Medienstrafrechtsdogmatik und Anknüpfungspunkte für strafrechtliche Diskussionen jenseits der Plattformverantwortlichkeit geboten werden.
Ausgezeichnet mit dem Fakultätspreis der Juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover 2025
(Table of content)
1. Phänomenologische GrundlagenBegriff, Funktionen und Ordnung sozialer Netzwerke - Soziale Netzwerke als Ort und kriminogener Faktor aggressiver Kommunikation2. (Außer-)Strafrechtliche VorfragenTelemedienrechtliche Grenzen einer strafrechtlichen Verantwortlichkeit - Selektion strafrechtlich relevanten Verhaltens3. Die Verantwortlichkeit der Anbieter (innerhalb) sozialer Netzwerke nach strafrechtlichen GrundsätzenStrafrechtswidrig ausgerichtete Angebote - Strafrechtswidrige Inhalte als 'digitale Altlasten' in neutral ausgerichteten Angeboten
(Review)
»In der Gesamtschau verwundert es nicht, dass die Arbeit von Nussbaum mit dem Fakultätspreis der Juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover ausgezeichnet wurde. Die äußerst detaillierte Herangehensweise legt innovative Lösungsansätze offen, die gewissermaßen 'frischen Wind' in die mitunter etwas festgefahrene Diskussion bringen. Dies gilt allen voran mit Blick auf das zugrunde gelegte Ordnungsmodell, das die digitale Wirklichkeit auch strafrechtlich greifbar macht. Ein Gesichtspunkt sei schließlich hervorgehoben: Die Untersuchung verknüpft allgemeine strafrechtliche Fragen in eindrucksvoller Weise mit den Besonderheiten sozialer Netzwerke und zeichnet gerade deshalb ein in sich stimmiges Gesamtbild. Wer sich intensiv mit der strafrechtlichen Plattformverantwortlichkeit befasst, wird um das Buch nicht herumkommen.« Dr. Samuel Strauß, in: Zeitschrift für Internationale Strafrechtswissenschaft, 5/2025



