Description
Sind Autor:innen nur dann gute Autor:innen, wenn ihnen der finanzielle Erfolg auf dem Buchmarkt verwehrt bleibt? Bis heute sehen sich Schriftsteller:innen mit dem Mythos des "unkorrumpierbaren Künstlers" (Hoppe) konfrontiert, obwohl ihr öffentliches Selbst längst als mediale Erzählung zirkuliert und eng ins Literaturmarketing eingebunden ist. In dieser Arbeit werden die Inszenierung von Autorfiguren in der deutsch- und französischsprachigen Gegenwartsliteratur untersucht und die literarischen Muster und Strategien aufgezeigt, mit denen die Autor:innen sich dieses Mythos bemächtigen. Sind Autor:innen nur dann gute Autor:innen, wenn ihnen der finanzielle Erfolg auf dem Buchmarkt verwehrt bleibt? Mit diesem Mythos eines "unkorrumpierbaren Künstlers" (Hoppe), den auch Bourdieu zum Kern seines Modells eines literarischen Feldes macht, sehen sich Schriftsteller:innen bis heute konfrontiert. Auch wenn ihr öffentliches Selbst längst als eigene mediale Erzählung zirkuliert und eng ins Literaturmarketing eingebunden ist. Indem sie die Inszenierung von Autorfiguren untersucht, fragt diese Arbeit in Texten von J. Brandt, É. Chevillard, O. Delorme, F. Hoppe, D. Laferièrre, M. Streeruwitz und A. Volidine danach, wie heutige deutsch- und französischsprachige Autor:innen diesen Mythos fort- und umschreiben. So zeichnet sie typenbildende Muster literarischer Autorschaft nach und zeigt strukturelle Unterschiede zwischen dem deutschsprachigen, dem französischen und dem Quebecer literarischen Feld auf. 1 Autorfiktion als Mythographie: Einleitung 2 Theoretische und terminologische Grundlagen2.1 Literarische Autorschaft als komplexer Diskurs 2.2 Die Kraft der Mythenbildung: Autorschaft und literarisches Feld3 Gegen den "modischen wie unproduktiven Wettbewerb in Sachen Schicksal": Fiktionale Selbstentwürfe im metanarrativen Spiel bei Chevillard und Hoppe3.1 Éric Chevillards ironisches Spiel mit Autobiographie und Autofiktion: Das Blog L'Autofictif und der Roman L'auteur et moi als Bühnen eines écrivain pur 3.2 Felicitas Hoppe: ,ehrliche (Selbst)Erfinderin', ,manisch schreibende Einzelgängerin' und ,Kunsthandwerkerin' - Wahrhaftige Rollenspiele jenseits von Autobiographie und Autofiktion 4 Der Literaturbetrieb als Bühne: Auktoriale Rollenspiele im Literaturbetriebsroman bei Delorme, Streeruwitz und Brandt 4.1 Der Tod des Autors im Literaturpreistheater: Autorfiktion als komödiantisches Rollenspiel in Olivier Delormes Roman Comment je n'ai pas eu le Goncourt 4.2 Zwischen "dazugehören" und "Aufruhr": Zur (un)möglichen Position politisch engagierter Autorinnenschaft im patriarchalen "Kunst-theater" Literaturbetrieb in Marlene Streeruwitz' Nachkommen und Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland. 4.3 Zwischen Alltag, Mythos und Sündenfall: Die Rolle des Autors in Jan Brandts Tod in Turin 5 ,Fremdheit' als Label von Autorschaft: ,strategische Exotismen' im autorfiktionalen Roman bei Laferrière und Volodine5.1 Ambitioniert und universell? Zur ambivalenten Autorrolle des "grantécrivain noir" Dany Laferrière am Beispiel des Ich-Erzählers in Je suis un écrivain japonais 5.2 Kollektiv, fremd, engagiert und unkorrumpierbar: Antoine Volodines Spiel mit den Regeln der Kunst am Beispiel von Écrivains6 Autorfiktion und Autormythos: vier Perspektiven 6.1 Autorfiktion: eine Frage der Blickrichtung 6.2 ,Der unkorrumpierbare Autor': zur Zukunftsaussicht eines Mythos6.3 Außenseiter im Rampenlicht: Ein mythologisches Baukastenprinzip6.4 Blinde Flecken und Ausblicke Frederik Kiparski hat an den Universitäten Leipzig und Lyon Französistik und Germanistik studiert und am Institut für Romanistik der Universität Mannheim promoviert. Als Studienrat unterrichtet er die Fächer Deutsch, Französisch und Darstellendes Spiel an einer Kooperativen Gesamtschule.



