Full Description
Die Konjunkturkomponente des Grundgesetzes bildet neben der Strukturkomponente und der Notlagenverschuldung eine von drei Kreditermächtigungen der Schuldenbremse. Sie befähigt die Haushaltsgesetzgeber von Bund und Ländern zur Verschuldung in Abhängigkeit von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Sie hat die keynesianische Ausrichtung der Fiskalpolitik seit den 1960er Jahren gestärkt und sich zugleich von der ursprünglichen Konzeption der Globalsteuerung gelöst, neue Maßstäbe und Ziele in der Verbindlichkeit des Verfassungsrechts definiert und überprüfbar gemacht: Weicht die erwartete Wirtschaftsentwicklung von der Normallage ab, werden Kreditaufnahme und Tilgung zur Pflicht. Deren Umfang und Zeitpunkt bestimmt sie zahlenmäßig durch ein einfachgesetzlich konkretisiertes und am Europarecht ausgerichtetes Verfahren. Es berücksichtigt, dass die Konjunkturkomponente dem Funktionieren der automatischen Stabilisatoren dient und einen symmetrischen Verschuldungsausgleich in einem mittel- bis langfristigen Zeitraum verlangt. Die Konjunkturkomponente zielt damit nicht mehr auf wirtschaftliches Wachstum, sondern auf eine stationäre Wirtschaft und verzichtet auf einen fiskalischen Impuls für den Aufschwung. Sie trennt den staatlichen Verschuldungsraum in einen strukturellen und einen konjunkturellen Teil, überantwortet dadurch Investitionen im europarechtlich für tragfähig erachteten Rahmen der Strukturkomponente, verleiht konjunkturbedingten Schulden einen temporären Charakter und eröffnet nur in der finanzverfassungsrechtlichen Notlage weitergehende Steuerungsmöglichkeiten.
Contents
Einleitung
§ 1 Von der Globalsteuerung zur Konjunkturkomponente: Das Scheitern der Wirtschaftspolitik und Darstellung der Hypothesen - § 2 Die Grundlagen der Globalsteuerung und die neuen Schuldenregeln der Föderalismusreform II
Erster Teil: Staatsverschuldung im Lichte des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts
§ 3 Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht vor der Föderalismusreform II - § 4 Konkretisierung durch das Europarecht
Zweiter Teil: Konjunkturelle Kreditaufnahme mit der Schuldenbremse
§ 5 Die Konjunkturkomponente - § 6 Das Kontrollkonto - § 7 Aktive und passive Konjunkturpolitik - § 8 Nachfrage- und angebotsseitige Konjunkturpolitik - § 9 Die gegenwärtige Bedeutung des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes und der Zieldefinition des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts - § 10 Die konjunkturelle Verschuldung der Länder
Dritter Teil: Die Zukunft der konjunkturbedingten Kreditaufnahme
§ 11 Revisionen bei der Konjunkturbereinigung - § 12 Tragfähige Staatsverschuldung
Zusammenfassung



