Full Description
Das Gesundheits- und Sozialrecht ist mehr und mehr mit einem Wissensproblem konfrontiert, das sich durch die Steigerung der Informationen über Krankheiten und Therapien sowie die Entstehung neuer Wissensarten jenseits der Erfahrung zuspitzt ("Big Data"). Die Beiträge von Wissenschaftlern und Praktikern beschreiben den Wandel, der sich etwa im Aufstieg der "evidenzbasierten" Medizin, Methoden der Qualitätskontrolle und neuen Erscheinungsformen der Wissensverarbeitung insbesondere durch Setzung von Standards niederschlägt. Ein Rückblick auf die Geschichte der Krankenversicherung und die ihr zugrundeliegenden faktischen Erwartungen ergänzt die Untersuchung der gegenwärtigen Probleme des Entscheidens unter den Bedingungen von Ungewissheit. Schließlich wird die grundlegende Frage aufgeworfen, wie das Sozialrecht sich auf die Entwicklung des Selbstverständnisses der versicherten Subjekte auswirkt.
Contents
Benedikt Buchner/Karl-Heinz Ladeur: Einleitung - Peter Collin: Wissen und Unwissen in der Krankenversicherungsgesetzgebung des 19. Jahrhunderts - Dominik Roters: Wissensgenerierung und -verwertung nach § 2 Abs. 1 S. 3 SGB V - Ulrich Wenner: Was "weiß" das BSG und woher weiß es etwas? - Benedikt Buchner: Wissen und Standard - Herausforderungen für Wissensgenerierung und -verarbeitung bei der medizinischen Standardfestlegung - Ino Augsberg: Evidence-based Law im Sozial- und Gesundheitsrecht? Chancen und Grenzen eines epistemologischen Modells - Karl-Heinz Ladeur: Wissenserzeugung im Sozialrecht und der Aufstieg von "Big Data" - Thomas Vesting: Der Sozialstaat als Subjektivierungspraxis: Bürger - Organisationsmensch - Homo digitalis - Friedhelm Hase: Die Komplexität des Wissens und die Legitimation rechtlicher Normsetzung: gesetzliche Entscheidung und untergesetzliche Regelbildung in der gesundheitlichen Versorgung
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