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Description
Split war um das Jahr 1500 eine der bedeutendsten dalmatinischen Städte im venezianischen Überseereich. Lena Sadovskis Buch erlaubt einen tiefen Blick auf die lokalen Auswirkungen der von der Serenissima ausgeübten Herrschaft und auf die Folgen der wachsenden osmanischen Bedrohung. Der von Krisen geprägte Betrachtungszeitraum liegt zwischen dem Ende des venezianisch-osmanischen Krieges von 1463-1479 und der großen Pestwelle von 1526/27.
Die im Buch erstmals erschlossenen Archivalien bilden die Grundlage für eine neue Betrachtung der damaligen Stellung und Entwicklung von Split. Neben der Einbindung in den Stato da Mar von Zypern bis Verona war auch die gesamtadriatische Vernetzung mit dem nicht-venezianischen Italien von prägender Bedeutung. Handel, Migration, Krieg und Kaufmannsmobilität - darunter die von konvertierten Juden - spielten für beide Verflechtungen eine große Rolle, ebenso wie geteilte Institutionen des Rechts. Die Anzahl direkt aus Venedig kommender Amtsträger vor Ort war gering, aberihre gesellschaftliche Wirkung groß. Lokales Recht wurde im Rahmen des venezianischen Verwaltungs- und Justizwesens verhandelt und weitgehend respektiert, während die Einwohner die staatlichen Institutionen geschickt für ihre Zwecke zu nutzen wussten.
Das Alltagsleben in Split wird durch die gewählte mikrohistorische Perspektive greifbar. Das gilt für die Lebenswelten und das Interagieren der maßgeblichen gesellschaftlichen Gruppen (Adelige, Bürgerliche, Kleriker, Frauen) ebenso wie für die verschiedenen Gemeinschaften der Stadt (darunter die Bruderschaften und Drittordensgemeinschaften) und für einzelne Familien oder Individuen. Die adelige Ausübung kommunaler Ämter wird dabei ebenso quellenah analysiert wie Venedigs Umgang mit der lokalen Mehrsprachigkeit, die sozio-politischen Kämpfe um gesellschaftliche Privilegien, das Verhältnis zwischen weltlicher und kirchlicher Gerichtsbarkeit sowie weibliche Handlungsräume im Wirtschaftsleben, vor Gericht und als Tertiarinnen.
Lena Sadovski ist Postdoktorandin am Institut für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie beschäftigt sich mit der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte des Balkans, insbesondere des venezianischen Dalmatiens sowie der katholischen Missionierung im osmanischen Bulgarien. Daneben arbeitet sie auch zur Diplomatiegeschichte der Habsburgermonarchie.



