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Description
(Short description)
Welche junge Frau kennt ihn nicht den Traum von der großen Liebe? Als Dora ihr liebloses Elternhaus verlässt, hofft sie, sich in der Studentenstadt von den Fesseln ihrer Vergangenheit zu lösen und ein neues, glücklicheres Leben mit Gleichgesinnten zu finden. Doch Dora wird bitter enttäuscht. Sie rettet sich in Tagträume und die Liebe zu ihrem Literaturprofessor. Nur so erträgt sie das Gefühl von Einsamkeit und Leere. Nach Jahren der Sehnsucht und des heimlichen Werbens gelingt es der sensiblen jungen Frau tatsächlich, eine Beziehung zu ihrem Professor aufzubauen. Ihr Traum scheint wahr zu werden
(Extract)
Der Abschied
Als ich das Haus am Wald verließ, war der Himmel so blau. Es war der letzte Sonntag im Oktober und Raureif lag wie Glitter auf den Wiesen, während die Sonne letzte Nebelfetzen leckte.
Wehmütig setzte ich den mit Bettzeug vollgestopften Wäschekorb ab und blickte zurück auf die heruntergekommene Villa. Sie saß etwas außerhalb der kleinen Stadt auf ei-ner Anhöhe, mitten in schiefem Gehölz, bestehend aus Dornengestrüpp, Kiefern und verdorrten Obstbäumen, die jahrelang nichts getragen hatten, als ein paar winzige, schrumplige Früchte, die am Boden verfaulten und die Wespen an-zogen. Ein Windhauch trug mir die Ahnung ihres Aromas zu: Süßlich. Verdorben.
Gestern noch war ich über die ans Grundstück angrenzenden Felder und Wiesen, an voll beladenen Zwetschgen-, Birn- und Apfelbäumen vorbei, zu der kleinen Kirche von Einöd gewandert und durch die schmiedeeiserne Pforte in einen winzigen Friedhof voll gut gepflegter Kleinfamiliengräber getreten. Die Astern dufteten und die Sonne ließ das Rot und Gold des Ahorns leuchten. Blätter raschelten und knisterten unter meinen Füßen. Auf einem Grabstein las ich meinen Namen. Ich nahm einige weggeworfene Blumen vom Friedhofskompost und schmückte damit mein fremdes Grab. Der Abend verlängerte die Schatten und so hatte ich mich auf das Bänkchen unter dem alten Birnbaum gesetzt und in die untergehende Sonne geblinzelt, bis sie hinter dem Hügel verschwunden war. Hey! Was ist los? , sagte Josch, der neben mich getreten war. Träumen kannst du später.
Ich bückte mich nach dem Wäschekorb und lud ihn zu Katjas Sachen auf den Anhänger. Nachdem wir auch die letzten beiden Kartons verladen hatten, lief ich noch einmal hinauf in mein Kinderzimmer und sah mich um. Entseelt der ausgeräumte Kleiderschrank, das leere Regal. Für einen Moment verharrte ich reglos, betrachtete die Linde vor dem Fenster.
Schließlich ging ich in die Küche, wo die Eltern beim Frühstück saßen. Stand da und wartete, dass mich jemand bemerkte. Zur Kenntnis nahm. Ja? , fragte endlich die Mutter, die in ein Seidenes gehüllt am Mahagonitisch saß und ein Knäckebrot hauchdünn mit Margarine bestrich. Du gehst? Ja.
Ich beschloss, zeitlebens kein einziges Knäckebrot mehr anzurühren. Pampiges Mehl-Wasser-Gemisch, das anschließend zementartig in den Zahnzwischenräumen klebte.
Vom Schweigen aufgeschreckt, tauchte nun auch der Vater hinter der Zeitung auf und sah durch mich hindurch auf den Vitrinenschrank. Was ist? Deine Tochter möchte sich verabschieden!
Der Vater holte seinen Blick aus dem Nichts und schenkte ihn mir mit der Andeutung eines Lächelns. Du willst uns verlassen?
Ich nickte. So so. Na denn. Mach s gut, Töchterchen! Genieße die Zeit. Die Studentenzeit ist die schönste im Leben!
Er nahm einen großen Schluck aus der Kaffeetasse. Entschuldigt mich. Ich muss eine rauchen.
Damit entschwand er auf die Terrasse. Sei bloß nicht so blöd und fang das Rauchen an , sagte die Mutter und sah ihr Knäckebrot an. Ich bekam einen Klumpen im Bauch. Trotzdem. Oder deswegen konnte ich nicht gehen. Festgefroren. Wie ein kleiner Vogel, erstarrt im goldenen Käfig Erwartung. Ja , sagte ich. Ah, das Feuilleton , sagte die Mutter, endlich! , und schnappte sich die Zeitung, in der der Vater gerade gelesen hatte, und verschwand ihrerseits darin, gerade als das Schneckchen in die Küche trat. Sie war noch im Schlafanzug. Das farblose Haar hing ihr strähnig bis auf die Schultern und trotz ihrer fast dreizehn Jahre zeigte sich noch nicht der Ansatz einer Brustknospe unter ihrem Pyjama.
Sofort stellte sie fest, dass man ihr das Frühstück noch nicht zubereitet hatte, und klagte mit dem hohen Stimmchen eines Kleinkindes, warum niemand daran gedacht hatte, ihr die Milch zu wärmen. Ach Schneckchen , sagte ich mit schneidender Freund-lichkeit, wie wär s, wenn du sie dir zur Abwechslung mal selber warm machst?
Weil ich wusste, dass ich ihr von heute an nicht mehr zu Diensten sein, ihr stä



