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Description
Wie therapeutische Annahmen Erinnerungsprozesse und Selbstwahrnehmung prägen Das Narrativ »Rituelle Gewalt« hat die öffentliche Debatte um sexualisierte Gewalt sowie die Fachdebatten um Kinderschutz, Traumatherapie und Beratung polarisiert. Es berührt nicht nur grundlegende Fragen in Bezug auf sexualisierte Gewalt, es wirft zum Teil auch falsche Fragen in Bezug auf die Glaubhaftigkeit von Betroffenenberichten auf. Im Buch wird die verhärtete Polarisierung überwunden und eine verbindende fachliche Haltung vertreten, welche die Anerkennung von Gewalterfahrungen mit einer kritischen Prüfung ungesicherter therapeutischer Interpretationen, suggestiver Prozesse und diagnostischer Engführungen verschränkt. Diese Studie lenkt den Blick auf Patient*innen, die in ihrer Kindheit und Jugend Traumata erlebt haben, von denen sie den Behandelnden berichten. Problematisiert wird die Vermutung, die Patient*innen müssten Schlimmeres, »rituelle Gewalt«, erlebt haben, um ihre Symptomatik erklären zu können. Anhand narrativer Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen sowie von Behandlungsdokumenten wird rekonstruiert, wie - untermauert durch die Diagnose einer Dissoziativen Identitätsstörung - eine gemeinsame Suche nach vermeintlich nicht erinnerten Gewalterfahrungen in Gang gesetzt wird. Dabei können Annahmen über geheime, reiche und mächtige Tätergruppen, »Mind Control«, Programmierung und Amnesien zu fortbestehenden Gewalterfahrungen zwar scheinbar Erklärungen und Orientierung bieten, aber auch Selbstwahrnehmung, soziale Beziehungen, Autonomie und Teilhabe der Betroffenen tiefgreifend beeinträchtigen. Aus der Analyse therapeutischer Verstrickungen und toxischer Behandlungsdynamiken wird abgeleitet, wie eine reflektierte, wissenschaftlich fundierte und ethisch verantwortungsvolle Therapie von Traumafolgestörungen und Dissoziativen Identitätsstörungen aussehen kann. Gerade die Kapitel über Gedächtnis, Suggestion, Beweisproblematik, professionelle Verantwortung und die Schlussfolgerungen für die therapeutische Praxis dürften neben den erschütternden Interviews und Dokumenten Interesse hervorrufen. Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert ist seit Jahrzehnten im Kinderschutz engagiert. Er gründete und entwickelte die Medizinische Kinderschutzhotline, begleitete die Gründungsphase der UBSKM und wurde 2026 für dieses Engagement mit dem Deutschen Kinderschutzpreis ausgezeichnet. Er ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, Präsident der Europäischen Fachgesellschaft European Society for Child and Adolescent Psychiatry (ESCAP) und Co-Sprecher des Zentrums für Traumaforschung in Ulm. Dr. Jelena Gerke ist Psychologin (M.Sc.) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT). Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung seit über zehn Jahren mit den Themen Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend sowie Traumafolgen, u.a. im Begleitforschungsprojekt des Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch der UBSKM. In ihrer Promotion untersuchte sie mit dem Thema "Frauen als Täterinnen sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen" Geschlechterstereotypien und Wahrnehmungsverzerrungen im professionellen Hilfesystem. Seit 2020 widmet sie sich dem Thema der "rituellen Gewalt" und damit assoziierte schädliche Therapien, Behandlungsfehler und Grenzüberschreitungen im Bereich der Traumatherapie. Lea Frühauf ist Psychologin (M.Sc.) und psychologische Psychotherapeutin in fortgeschrittener Ausbildung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unterschiedliche Gewaltformen, Qualitätssicherung sowie Behandlungsfehler im psychotherapeutischen Kontext. Kim Magiera ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, Kriminologin (M.A.), Diplom-Pädagogin und Mediatorin in Strafsachen. Ihre Forschung gilt unterschiedlichen Gewaltphänomenen, den Dynamiken von Gewalt sowie kommunikativen Aufarbeitungsprozessen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf biografischer und narrativer Forschung zu Opferwerdung, Bewältigung und den langfristigen Folgen von Gewalterfahrungen.



