Description
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Die Neuroökonomie ist eine noch sehr junge Wissenschaft und bezeichnet die Verknüpfung der Neurowissenschaften mit den Wirtschaftswissenschaften. Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht in der Ermittlung dieser Zusammenhänge. Im Besonderen geht es darum, eine Erklärung zu finden, wie Emotionen unser Verhalten und unsere Entscheidungsfindung beeinflussen.
Mittels verschiedener Experimente wird versucht zu erläutern, wie Emotionen ökonomische Handlungsweisen beeinflussen und welche Gehirnregionen dafür zuständig sind. Diese neuronalen Prozesse werden dann dafür genutzt, eine Erklärung für die ökonomische Handlungslogik zu finden. Anschließend wird noch auf die Vor- und Nachteile eingegangen, die diese neue Wissenschaft mit sich bringt sowie mittels Kritiken und Aussagen von Autoren ein kurzer Ausblick erstellt.
(Extract)
Textprobe:
Kapitel 2., Emotionen: eine kurze Einführung:
Während Emotionen in der psychologischen Forschung längere Zeit ein wenig untersuchtes Gebiet darstellten, hat sich das Interesse in den letzten 15 Jahren der Emotionsforschung verstärkt zugewendet und zudem machen moderne Untersuchungsmethoden es möglich, neuronale und physiologische Zusammenhänge seelischer Prozesse, auch von Emotionen zu lokalisieren. Dabei gehen zweckgerechte Verfahren, wie z. B. die funktionelle Kernspintomographie über die altbewährte Neuropsychologie, welche psychische Funktionen mit strukturellen Defekten im Gehirn koordinierte, hinaus.
Kapitel Zwei widmet sich den Emotionen: einerseits in der Psychologie und andererseits in der Ökonomie. Was ist die biologische Funktion von Emotionen? Was deren Bedeutung und Entwicklung? Und wie können diese unsere Entscheidungen sowie unser ökonomisches Verhalten beeinflussen? Dies sind die zentralen Fragen auf die ich in diesen Kapitel versuchen werde einzugehen.
2.1., Der Begriff Emotion in der Psychologie und der Ökonomie:
Frauen und Männer jeden Alters, jeder Kultur, jeder Ebene der Erziehung und auf jeden Weg des ökonomischen Lebens haben Emotionen, sind aufmerksam auf Emotionen anderer und steuern ihr Leben nach dem Streben einer besonderen Emotion, dem Glück, und nach dem Vermeiden unangenehmer Emotionen (vgl. Damasio 1999, S. 35). Emotionen haben sich im Laufe der Evolution herausgebildet und sind verzweigte, in weiten Teilen genetisch vorgebildete Verhaltensmuster um bestimmte Anpassungsprobleme zu lösen und den Einzelnen ein schnelles und der Situation angepasstes Handeln zu ermöglichen. Am Zustandekommen sowie am Ablauf von Emotionen sind somit kortikale und subkortikale Mechanismen der Verarbeitung externen und/oder interner Reize, neurophysiologische Muster, motorischer Ausdruck und Motivationsentwicklungen beteiligt. Der motivationale Faktor wird dabei meist als Folge der emotionalen Erregung denn als Teil der Emotion selbst betrachtet, der kognitive Teil eher als Auslöser der Emotionen, aber es bestehen wie bei den meisten innerpsychischen Abläufen sehr enge Interaktionen (Stangl, 2010).
Elster (vgl. Elster, 1998) unterteilt den Emotionsbegriff in sechs Hauptgruppen:
1. Soziale Emotionen: Ärger, Hass, Schuld, Schande, Stolz, Bewunderung, Zuneigung.
2. Kontrafaktische Emotionen: Bedauern, Freunde, Enttäuschung, Euphorie.
3. Emotionen hervorgerufen durch den Gedanken, was passieren könnte: Angst, Hoffnung.
4. Emotionen hervorgerufen durch gute/schlechte Dinge, die passiert sind: Freude, Leid.
5. Emotionen hervorgerufen durch den Gedanken an die Besitztümer anderer: Empörung und Eifersucht.
6. Spezialfälle, wie Verachtung, Abneigung, Liebe, Verliebtheit.
Jede einzelne dieser Emotion besteht aus unzähligen Variationen und Nuancen, abhängig vom Zustand, der sie auslöst. Jede spielt eine bestimme Rolle und führt dadurch zur Entstehung von Lebensverhältnissen und äußeren Umständen; sie handeln somit über das Leben eines Organismus und ihre Aufgabe besteht darin den Organismus bei der Lebenserhaltung zu unterstützen. Ungeachtet der Realität, dass Lernen und Kultur die Expression von Emotionen verändern und Emotionen neue Bedeutungen geben, sind sie biologisch festgelegte Prozesse, abhängig von angeborenen Hirneinheiten und festgeschrieben von einer langen evolutionären Geschichte (vgl. Damasio 1999, S. 43).
Löwenstein (vgl. Löwenstein/Read/Baumeister, 2003) unterscheidet zwischen zwei Typen von Emotionen, die das Verhalten beeinflussen können: erwartete Emotionen und unmittelbare Emotionen. Erwartete Emotionen unterscheiden sich von den unmittelbaren Emotionen darin, dass sie erlebt werden, wenn Ergebnisse einer Entscheidung konkrete Formen annehmen und nicht im Moment der Entscheidung wie bei den unmittelbaren Emotionen. Löwenstein unterstreicht die Bedeutung unmittelbarer Emotionen für ökonomische Entscheidungen, da sie keine Abhängigkeit von



