Ich will keinen Trost von niemandem

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  • 製本 Paperback:紙装版/ペーパーバック版
  • 商品コード 9783958085237

Description

Mit seinem Romanzyklus Das magische Labyrinth wurde Max Aub zu einem der großen Chronist*innen der Traumata des 20. Jahrhunderts und einem der wichtigsten spanischsprachigen Autor*innen dieser Zeit. Weniger bekannt sind seine Theaterstücke, von denen der 1939 geschriebene Monolog Ich will keinen Trost von niemandem (im Original: De algún tiempo a esta parte ) nun von Stefanie Gerhold übersetzt erstmalig auf Deutsch vorliegt.

In ihm erklingt die Stimme von Emma, einer Katholikin aus Wien mit jüdischer Herkunft. Doch gleichzeitig hat diese Stimme keinen Ort. 1938, nach dem "Anschluss" Österreichs, zwischen Reichspogromnacht und Deportationen, hat Emma alles verloren: ihren Sohn und ihren Ehemann, den die Nazis verschleppt und ermordet haben, ihren Wohlstand, ihre Wohnung, die sie für die neuen Bewohner*innen putzen muss. An ihren toten Mann richtet sie ihre Worte, und es ist besonders dieser Umstand, der ihr fundamentales Alleinsein in einer verstörenden Umwelt betont.

Die Entwürdigung und Entmenschlichung, die Emma erlebt, infiziert auch ihre Sprache: nüchtern, beinahe teilnahmslos wirkt diese zuweilen. In rhythmischen und zugleich wie isoliert stehenden Sätzen konkretisieren sich wie in einem Prisma die zerstörten Lebenswege von Emma und ihren Bekannten - denn sie sieht hin, wendet den Blick nicht von den Gewaltexzessen auf offener Straße ab. Sie tut dies aus Pflichtgefühl gegenüber den Ermordeten. Und aus einer Wut heraus, die, wie sie sagt, größer ist als ihre Angst.

Im Vorwort zu ihrer Übersetzung und zur Entstehung dieses Werks, das Max Aub zu Beginn seiner eigenen Flucht aus Spanien 1939 in Paris geschrieben hat, erläutert Stefanie Gerhold das "Erzählen in Splittern", mit dem Aub seine eigene Fassungslosigkeit literarisiert. Die Unmöglichkeit, die Ereignisse einzuordnen, bestimmt auch die Perspektive seiner Figur. Das Nachwort von Albrecht Buschmann erläutert die Rezeptionsgeschichte und stellt diesen einzigartigen Monolog in den Kontext von Max Aubs Theater, das immer wieder um die existenzielle Erfahrung von Ausschluss und Verfolgung kreist.

Max Aub (1903-1972) zählt zu den wichtigsten spanischsprachigen Autor*innen des 20. Jahrhunderts. Aufgewachsen in Paris, ist er mit dem deutschen Vater 1914 nach Spanien ausgewandert. Aubs Leben und Schreiben sind geprägt von der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, vor allem vom Spanischen Bürgerkrieg, in dem er als linker und liberaler Intellektueller auf Seiten der Republik stand. 1939 floh er vor Francos Truppen, wurde in Frankreich im Lager Le Vernet inhaftiert und emigrierte schließlich 1942 nach Mexiko. Sein in den 1920er Jahren im Umkreis der klassischen Avantgarden begonnenes Werk umfasst Gedichte, Essays sowie zahlreiche Romane, Erzählungen und Theaterstücke.

Albrecht Buschmann (*1964) ist Professor für spanische und französische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Rostock. Zusammen mit Stefanie Gerhold übersetzte er Max Aubs Romanzyklus Das Magische Labyrinth (Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft 2003). Seine Forschung widmet sich der Kulturgeschichte des Literaturübersetzens, der literarischen Darstellbarkeit von Gewalterfahrung und der Literatur des republikanischen Exils. Er lebt in Berlin.

Stefanie Gerhold (*1967) ist Autorin und Übersetzerin. Sie hat zahlreiche Prosa- und Bühnenwerke aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen. Für die Übersetzung von Max Aubs Romanzyklus Das Magische Labyrinth erhielt sie zusammen mit Albrecht Buschmann 2003 den Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft. Auch als Autorin interessiert sie sich für das Zusammentreffen verschiedener Kulturen. Ihr Werk umfasst Essays zum literarischen Übersetzen, ein Hörspiel ( Come Back , DeutschlandradioKultur 2013) und einen Roman ( Das Lächeln der Königin , Galiani 2024). Sie lebt in Berlin.


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