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Description
(Text)
Verhungerte Pferde, Hunde und Katzen in vermüllten Wohnungen und Masthähnchen, die schon lange vor der Schlachtung nicht mehr laufen können - Tierschutzfälle erregen bei den Rezipienten und allgemein in der Bevölkerung schnell große Aufmerksamkeit. Das Mitgefühl mit dem Tier ist groß - und es steigt. Je weniger der Mensch in seinem Alltag mit dem Tier zu tun hat, desto mehr scheint er sich an Tierschutzvergehen zu empören.
Viele Medien wissen dies zu nutzen und warten mit dramatischen Bildern und tragischen Schlagzeilen auf. Aber ist dies der Sache wirklich zuträglich?
In dieser Arbeit wird aufgezeigt, wie es um den Tierschutz in Deutschland bestellt ist, wie Medien mit Tierschutzfällen umgehen, welche Dynamik zur medialen Verbreitung führt und was Fachmedien tun können und sollten.
(Extract)
Textprobe:
Kapitel 3.2, Nachrichtenwerttheorie: Tiere sind niedlich:
Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird an Nachrichtenfaktoren und der so genannten Nachrichtenwerttheorie geforscht. Einer der Kernpunkte dabei ist: Auswahlkriterien, wie sie von Redakteuren in der Regel angewandt werden, strukturieren und verzerren die Berichterstattung in den Medien (Mast 2008, S.58). Die von den Medien geschaffene Realität unterscheidet sich deshalb deutlich von der tatsächlichen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass eher über das Abweichende, als über das Normale und eher über neue Dinge als über bestehende berichtet wird.
Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge entwickelten 1965 einen Katalog von zwölf Kriterien für den Nachrichtenwert. Diese Faktoren bestimmen häufig die Auswahl der Journalisten. Je mehr Nachrichtenfaktoren sich auf ein Ereignis beziehen lassen, desto größer ist die Chance, dass es medial beachtet wird (vgl. Mast 2008, S. 58 ff).
Im Folgenden sollen nun die Nachrichtenfaktoren, die sich in Bezug auf den Tierschutz eignen analysiert werden und wenn möglich, Tierschutzfälle aus den Medien zu den verschiedenen Faktoren vorgestellt werden.
Frequenz:
Je mehr der zeitliche Ablauf eines Ereignisses der Erscheinungshäufigkeit der Medien entspricht, desto wahrscheinlicher wird das Ereignis zur Nachricht. (Mast 2008, S. 59).
Dieser Faktor trifft vor allem dann auf Tierschutzfälle zu, wenn der Beschuldigte einer Straftat wiederholt vor Gericht erscheinen muss. So war es zum Beispiel im Fall von Christine W., der 2008 in Norderstedt vorgeworfen wurde, ihre Reitpferde während des Trainings zu misshandeln. Von diesem Fall soll allerdings später noch die Rede sein. Ein weiteres Beispiel für diesen Faktor war die in Linow beschlagnahmte Pferdeherde. Im März 2013 wurden, wie bereits erwähnt, in dem brandenburgischen Dorf 160 Pferde vom Amtstierarzt Rott beschlagnahmt, weil die Besitzer wiederholt nicht auf Auflagen zur Verbesserung der Tierhaltung eingegangen waren. In den folgenden Wochen mussten mehrere Pferde eingeschläfert werden.
Die restlichen wurden entwurmt und geimpft, einige Stuten bekamen Fohlen, die Kennzeichnung der Tiere war ohne Pass nur mithilfe von Zuchtvereinen möglich und schließlich mussten die Pferde auch noch ein neues Zuhause finden (vgl. Stamer, 15.03.2013).
All diese Punkte schufen eine Dynamik, die es den Medien ermöglichte, fast täglich eine neue Nachricht über den Fall zu bringen. Allerdings konnte man in vielen Medien - wie auch bei der Berliner Zeitung - feststellen, dass die Nachrichten, vor allem Online, direkt von der dpa übernommen wurden. Eigens nach Linow ins tiefste Brandenburg zu fahren und über den Fall zu berichten, war in vielen Redaktionen offenbar nicht möglich. Vielleicht war auch das Interesse nicht groß genug, denn auch für die Berliner Zeitung wurde das Thema erst interessant als ich erwähnte, wie viel Geld die Aktion den Landkreis kostete.
Schwellenfaktor (absolute Intensität, Intensitätszunahme):
Es gibt einen bestimmten Schwellenwert der Auffälligkeit, den ein Ereignis überschreiten muss, damit es registriert wird. (Mast 2008, S.59).
Dieser Schwellenwert der Auffälligkeit war gegeben, als ein 59-jähriger Landwirt aus Frauenhagen Ende 2011 in Brandenburg seine Pferde und Rinder so schlecht versorgte, dass einige auf der Weide verendeten. Doch selbst die toten Tiere ließ er nicht entsorgen. Sie lagen somit im Schmutz und verwesten unter den Hufen der anderen (Schwers, 29.11.2011). Die besondere Schwere des Falls mit 150 Tieren und die ekelerregenden Bilder der verwesenden Tierkadaver überschritten den Schwellenwert und wurden registriert. Neben der BILD berichteten unter anderem der Berliner Kurier, die Morgenpost, die Märkische Oderzeitung und nordkurier.de über Monate, da es lange dauerte, bis der Betrieb geschlossen werden konnte.
Im Nachhinein stellte sich heraus, dass einige Pferde, sowie ihr Besitzer, Landwirt Peter S, der unte



