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Description
Es knackt am Grund der Krusten. Da murmelt was, summt was, da singt doch wer. Was ist dieses Å-Geräusch? Aa, oo, oh, öh? Es rumort an den Wortwurzeln. Da spricht doch jemand mit knåppeln am Mund. Die ist halb, halb. Die hat sich verdänt. Liv Thastums Debüt "åben die erda" gräbt Wege zu Orten, die von gewaltsamen Eingriffen in Landschaft und Sprache gezeichnet sind. Orte, die mehr als eine Sprache kennen. Drei Langgedichte schieben sich über die Landkarte. Es beginnt mit einem Riss. An der Jammerbugt im Nordwesten Dänemarks hat sich Geschichte in die Kalkfelsen eingeschrieben, die nun vorsichtig herausgebrochen wird. Dann kann der Abstieg beginnen, hinein in die Sagenwelt der Unterirdischen, in eine tiefere, mythische Vergangenheit an der deutsch-dänischen Grænze. Wer den Unterjordisken hinunter folgt, landet im Zukunfts- und Ursprungsort der Språche selbst: dem Krustengrund. Dort, wo die Zerwachsenen das Sagen haben, wo es gyngt und nynnt, wo man sich aufschürft an den anderen, an sich selbst, wo man hineinwächst in eine Welt, die nicht zu begreifen ist, hineinwächst in eine erda, in der man beginnt, gegen das Nichtverstehen anzusyngen. Liv Thastum, geboren 1997 in Berlin, schreibt Gedichte, Essays und szenische Texte auf Deutsch, Dänisch und zwischen den Sprachen. Sie studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, Biel und Berlin. Ihre Texte wurden in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften im deutschen und skandinavischen Raum veröffentlicht und performt. 2024 wurde sie mit dem Wortmeldungen Förderpreis ausgezeichnet und war Lyrikfinalistin beim 32. Open Mike, 2025 nominiert beim Literarischen März in Darmstadt. Liv Thastum übersetzt zwischen Deutsch und Dänisch. "åben die erda" ist ihr Debüt. Stimmen zu Liv Thastum Die vexierbildartige Verknüpfung mehrerer europäischer Sprachen, wie diese Dichterin allein sie lyrisch zu nutzen versteht, mündet in ein klangvolles, literaturhistorisch und linguistisch versiertes Versgewirk, das trotz oder vielmehr dank seines Hybridcharakters wie "aus wilder Wurzel" oder "auf wilde Wurzel" gebaut zu sein scheint: So neu wie ureigen, stand dort, an seinem Ort in der jungen europäischen Gegenwartslyrik, vor ihm noch nichts. - Dagmara Kraus, Ostragehege Liv Thastum erschafft einen eigenen Sprachraum, der zugleich universell ist: Lädt sie uns ein, Teil von vielen Resonanzräumen zu sein, die auch ein Plädoyer für das gemeinsame Miteinander darstellen, dem sie Hetze und Ausgrenzung entgegenstellt. Ein richtungsweisender Text mit einer starken politischen wie poetischen Haltung einer Autorin, von der ich noch viel, viel mehr lesen möchte. - Lara Sielmann, Laudatio zum Wortmeldungen Förderpreis 2024 Dieses Zwiesprechen peilt genau auf die Neugier und lässt von Stelle zu Stelle staunen und staunen. - Felix Schiller, Sprache im technischen Zeitalter Die beiden Sprachen mischen sich wild wie lustvoll in den Versen des Gedichts, das im Vortrag zu einem unvergesslichen Ereignis wird. ... da so am krustengrund feiert die Lebendigkeit der Sprachen im unkartierten Grenzgebiet zwischen Deutsch und Dänisch, im germanischen Ursprachwald, im dunklen Wildwuchs des Unkrauts dort, tief unten. - Stefan Diezmann beim Open Mike 2024
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