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Description
(Text)
Einen Sommer lang erleben die Abiturienten Pierre und Gérard eine Achterbahnfahrt aus Liebe und Stolz. Wie junge Prinzen verachten sie die bürgerliche Welt der 1950er Jahre. Ihre Schönheit und ihre Überheblichkeit provozieren Mitschüler und Eltern. Sie wissen, dass ihr Glück keine Zukunft haben wird, und genießen den perfekten Augenblick so lange er dauert. So treiben sie unaufhaltsam einer Katastrophe entgegen. Jourdan schrieb diesen Roman im Alter von 16 Jahren. Seine Geschichte nimmt in einer wahrhaft überwältigenden Sprache Gestalt an und übt auf den Leser eine Wirkung aus, deren verstörende Wucht an die Tragödien Shakespeares erinnert.Julien Green über Jourdan: "Ein verstörendes Meisterwerk. Es schöpft seine poetische Kraft und Schönheit aus der ergreifenden Menschlichkeit, die immer wieder das Abgründige besiegt."'Jourdan beschreibt Momente körperlicher und emotionaler Sehnsüchte, die für den aufgeklärten Menschen von heute kaum mehr vorstellbar sind, aber als Prüfsteine des eigenen Erlebens dienen.' (Dirk Naguschewski in 'Hinnerk')
(Extract)
Der Himmel war königsblau und von majestätischer Ruhe. Man wusste nicht mehr, ob die Sonne schien. Unter den Birken und Platanen floss das Wasser glanzlos dahin und blitzte nur hin und wieder auf, wenn ein schillernder Strahl durch seine Tiefe schoss, wo grüne Flecken sich zu Schwarz verdunkelten.Der Sommer hatte das hohe Gras verbrannt, es hing herab wie wirres, goldbraunes Haar, überall zwischen den Bäumen. Unter den Wimpern fiel der Blick auf eine Landschaft, die sich ins Unermessliche ausdehnte. Mit gespreizten Beinen, ein Büschel fahles Seifenkraut zwischen den Knien, schlief Gérard. Sein halb offenes Hemd schien wie eine weiße Woge, die sich auf der honiggelben Wölbung seiner Brust brach, und meine Augen hefteten sich an seinen Kragen, die Halsmuskeln, deren Kraft die sanften Schatten auf der Schulter betonte. Vom Gesicht sah ich nur eine Wange, sein Haar mischte sich mit dem abgeschnittenen Gras. Locken fielen ihm in die Stirn; und von seiner Schläfe pumpte eine schwere, von der Hitze geschwollene Ader den dunklen Schimmer des Bluts zum Backenknochen - all das verlieh dem schlummernden Knaben einen Ausdruck der Wollust, heftiger noch als der Anblick seiner stolzen Züge im vollen Sonnenlicht.Ich wünschte mir, dass dieser Tag nie verginge, wollte den unfassbaren Augenblick für alle Zeit bewahren, der sich im Gesicht Gérards spiegelte, der zu meinen Füßen schlief. Doch jede Sekunde verleugnete grausam die Vergangenheit, löschte sie aus in meinem Atem, in dem sattesten Grün der Bäume und dem erhabensten Schweigen des Wassers. Gérards Schönheit war böse, selbst im Schlummer; der bis auf den Knöchel gerollte Kniestrumpf sagte mir das, denn er gab eine Wade frei, die so glatt war wie die eines Jungen, der Vogelnester plündert.Ich ließ unser ganzes Leben an mir vorüberziehen, ein Leben ohne Eltern und Lehrmeister, und nahm mir vor, mich nur noch an die Stunden dieses Ferientages zu erinnern. Den Vormittag hatten wir in meinem Zimmer verbracht, es waren Hausaufgaben zu erledigen, aber wir hatten Würfel gespielt. Wie üblich aßen wir schweigend zu Mittag, zusammen mit unseren beiden Vätern sowie einer Cousine, die sich um uns kümmerte, seit wir unsere Mütter - zwei Schwestern - verloren hatten.Wenn ich sage, dass die Mahlzeiten schweigsam verliefen, dann meine ich damit ausschließlich uns, denn wir ließen die Sätze der Erwachsenen an unseren verschlossenen Mienen abprallen und hatten an ihrem Tisch bloß das Gefühl, unsere Zeit zu vergeuden.



