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Description
(Text)
Homo medietas - Der Mensch als Mitte : Dies ist nicht nur ein Thema neuplatonischer und hermetischer Philosophie oder mittelalterlicher Mystik, sondern es ist eine Denkfigur, die von der Antike bis in die Neuzeit den philosophischen, religiösen und literarischen Diskurs entscheidend prägt. Dabei geht es keineswegs um eine Bestimmung des Menschen, die - etwa in den Begriffspaaren Zeit und Ewigkeit, Körper und Seele, Sprache und Schweigen, Mikrokosmos und Makrokosmos - eindeutig zu fassen und auf eine einzelne Tradition festzulegen wäre, sondern um ein in spiritueller, theologischer, philosophischer oder literarischer Form immer wieder und immer neu verarbeitetes anthropologisches Denkbild. Dieses bringt zunächst - seit Platon - die spezifische Freiheit des Menschen zum Ausdruck, aber es reflektiert gleichzeitig auch die vielfältigen Spannungen, die im Nachdenken über das menschliche Dasein von konstitutiver Bedeutung sind. So ist denn die Metapher der Mitte oder der Zwischenstellung des Menschen immer eine Chiffre dessen, was sich der diskursiven Bestimmung letztlich erfolgreich entzieht, jedoch im wissenschaftlichen, religiösen, philosophischen und literarischen Gespräch immer angesprochen und zum Ausdruck gebracht werden muss.
Der Band versammelt in diesem Sinne Aufsätze internationaler Fachgelehrter aus den Bereichen Literatur-, Sprach- und Religionswissenschaften sowie der Philosophie, die dieses Thema in seinen vielfältigen Facetten reflektieren. Er wirft so ein kulturanthropologisches Schlaglicht auf ein Motiv, das im Werk von Alois Haas durchweg eine entscheidende Rolle gespielt hat und das hier in seiner historischen und in seiner interdisziplinären Bedeutung zur Sprache kommen soll. Die Beiträge lesen sich denn auch als eine Sammlung von Zugängen und Reflexionen, die das Motiv der Mitte im Blick auf Aspekte der christlichen Theologie und Hermeneutik, der Mystik und Literatur, der Philosophie und Religion in ihrer Vielfalt erschließen.
(Author portrait)
Alois M. Haas, 1934, hat dank seinem interdisziplinären, facettenreichen Zugriff auf mittelalterliche Texte neue Maßstäbe für deren Erforschung gesetzt. Viele Jahre der universitären stabilitas loci verpflichtet, kannte sein Forschungsinteresse keine regionalen oder fachspezifischen Grenzen. Nach dem Studium in Zürich, Berlin, Paris, München und einer zweijährigen Tätigkeit als Associate Professor an der McGill University in Montreal wurde er 1971 Extraordinarius und ist seit 1974 bis heute Ordinarius für Ältere Deutsche Literatur an der Universität Zürich. Arbeiten zu Meister Eckhart, zu den Vertretern der Deutschen Mystik, zu Böhme und Paracelsus gehören heute zu anerkannten Grundlagenwerken. Sein erfolgreiches Bemühen, die theologischen und religiösen Aspekte mittelalterlicher Texte einer literaturwissenschaftlichen Analyse einzugliedern, hat ihm 1978 die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Freiburg i.Ue. eingetragen. Die internationale Anerkennung dokumentiert sich neben vielen Einladungen, die ihn bis nach Japan führten, wo er sich intensiv mit den Verbindungen von Christentum und Zen auseinandersetzte, in einem Forschungsaufenthalt als Fellow des Wissenschaftskollegs in Berlin 1988/89. Als Präsident der Paracelsus-Gesellschaft ist er bemüht, mittelalterliche Denk- und Lebensformen einer breiteren Öffentlichkeit verständlich zu machen. Und nicht zuletzt ist er einer Vielzahl von Studentinnen und Studenten als engagierter und begeisternder Lehrer in bleibender Erinnerung.



