Description
Durch die Entwicklung von medizinischen und biomedizinischen Untersuchungsmethoden werden immer mehr erblich bedingte Krankheiten und Behinderungen erkennbar. Besondere ethische Probleme werfen dabei die Tests im Kontext der Fortpflanzungsmedizin und Schwangerenvorsorge auf. Auf welcher Grundlage fällen wir aber unsere ethischen Urteile? Wie können Eltern, medizinisches Personal und die Gesellschaft die Frage nach der Verantwortung im Kontext der genetischen Frühdiagnostik beantworten? Neben einer detaillierten Aufarbeitung der Ziele und der Intentionen, der Probleme und der Konflikte, die vor allem für Paare und Eltern entstehen können, stehen unterschiedliche Bewertungen der Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik zur Diskussion.
Auf der Grundlage einer Ethik der Menschenrechte und der Ethik des guten Lebens legt Hille Haker eine ethische Argumentation vor, die einerseits die Kontexte der Fortpflanzungsmedizin in ihrer gesellschaftlichen Relevanz berücksichtigt, andererseits aber die normativen Ansprüche der verschiedenen beteiligten und betroffenen Akteure angemessen zu berücksichtigen sucht. Es zeigt sich, daß eine differenzierte und dennoch klare ethische Bewertung der genetischen Frühdiagnostik möglich ist, die in der Beratung vo n Paaren und Eltern ihren Niederschlag finden kann. Zugleich ist die ethische Bewertung aber Grundlage für die gesellschaftlich neu zu definierende Übernahme der Verantwortung in Fortpflanzungsmedizin, Schwangerschaft und Familienförderung, die der politischen und rechtlichen Regelung bedarf.
Hille Haker, geb. 1962, Studium der Katholischen Theologie, Germanistik und Philosophie, Mitglied des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften, dort Durchführung und wissenschaftliche Koordination verschiedener europäischer Projekte zur biomedizinischen Ethik, derzeit Privatdozentin für Theologische Ethik an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Tübingen.



