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Description
Wie reagiert ein ausgesprochen traditionsbewußter Autor, wenn der Sturm der Geschichte in die Wiederholungskreisläufe seiner Gedächtniswelt eingreift? Thomas Mann gerät dadurch in eine Zwickmühle: Einerseits kann er das "Schöne Gespräch" mit den großen Vorbildern nicht mehr fortsetzen, andererseits möchte er den Traditionsbezug nicht, wie seine künstlerischen Rivalen, aufkündigen. In textnahen Interpretationen gelingt es dem Literaturwissenschaftler Marc Oliver Huber, kompetent die widersprüchlichen Positionen aufzuzeigen, die Thomas Mann und sein Erzählpersonal im Zwischenraum von Gedächtnis und Geschichte einnehmen. Mit stichhaltigen Argumenten stellt Huber die öffentlichkeitswirksame Selbstinszenierung des Nobelpreisträgers als ironischen Vermittler von Gegensätzen in Frage. Dessen Texte sprechen vielmehr eine Sprache des Ausschlusses: In geschlechtlicher Hinsicht assoziiert Mann die Störungen der erinnerungskulturellen Ordnung bevorzugt mit Merkmalen des Weiblichen, in ethnischer Hinsicht mit Negativstereotypen des Jüdischen. 1. Metaphorisch vom Winde verweht - Erinnerung im Zeichen von Reinigungs- und Destruktionsphantasien1.1 Der Sturm als Metapher für Geschichte1.2 Das apokalyptische Narrativ: Gedächtnis vs. Geschichte1.3 Kulturrevolutionäre und kulturprotestantische Traditionskritik1.4 Kulturprotestanten im Sturm: Thomas Mann und seine Figuren2. Zwischen Gedächtnis und Geschichte - Themenstellung, Grundlagen und Zielsetzung des Buches2.1 Themenstellung: Zwischen Schlußstrich und 'Schönem Gespräch'2.2 Im Zwischenraum: Unreinheit, Figuren des Dritten, Familientriaden2.3 Zwischen Gedächtnis und Geschichte: Standpunkte der Gedächtnisforschung2.4 Zielsetzung, Vorgehen und Textauswahl3. Nachfolgegebot des Vaters, Ausstiegsangebot der Mutter - das Familiengedächtnis in Buddenbrooks3.1 Das kernfamiliale Dreieck Vater-Mutter-Kind und der externe Rivale3.2 Identitätsbildung von Familienmännern: "[E]s ist so schön, daß wir ihn wieder Johann genannt haben"3.3 Der männliche Erinnerungsrahmen: "Urgroßvater, Großvater, Vater und ich"3.4 Roman über kulturelle Orientierungen: "Was - ist das."3.5 Die Verfallsgeschichte des Gedächtnisses: Thomas im Zwischenraum3.6 Überhöhung und Umschrift: Familienbilder in den Köpfen3.7 Das Scheitern des paternalen Narrativs: "Bist du denn ein kleines Mädchen?"3.8 Im Reich der Mutter: Hanno läßt seine Hand "mit Mamas Federhalter spielen"3.9 Das ewige Kind: "Bitte, gieb mir den Schlüssel zum Sekretär"4. Zwischen Vorbildern und Rivalen - Intertextualität im Frühwerk (Gladius Dei, Tristan)4.1 Vorbild, Autor und Rivale in der literarischen Kommunikation4.2 "Kann man schreiben, ohne gelesen zu haben?" Weiterschreiben, Anverwandeln und Dagegenschreiben4.3 Gladius Dei: "Nicht umsonst ist Savonarola mein Held."4.3.1 Epigonentum: Renaissance-Modestadt München, Modezar Heinrich4.3.2 Korruption des Gedächtnisses: Das Madonnenbild4.3.3 Figur des Dritten, schriftstellerische Rivalin: Die Madonna und ihr Jüngstes Gericht4.3.4 Hieronymus: Kontrapräsentische Erinnerung, kontrafaktisches Erzählen4.4 Tristan: Im "steten Kontakt mit bewunderten Vorbildern"5. In der Zeitenwende - Thomas Manns Essayistik zum Ersten Weltkrieg5.1 Zeit und Erinnerung in der deutschen Kriegspublizistik5.1.1 Der Krieg als Motor der Moderne?5.1.2 "Welterschütternde Ereignisse": Die Konstruktion der Zeitenwende5.2 Zurück zum Ursprung: Die kleine Zeitenwende in Friedrich und die große Koalition5.2.1 Kriegstauglichkeit: "Ein Abriß für den Tag und die Stunde"5.2.2 Wiederholungsdenken vs. Zeitenwende-Bewußtsein5.2.3 Die große Persönlichkeit als Antitraditionalist5.3 Die Zeitenwende als Katastrophe: Betrachtungen eines Unpolitischen5.3.1 Ausgangspunkt "Protestantentum": Die kleine Zeitenwende5.3.2 Große Zeitenwende: Bilanzierung der Verluste im Bruderkampf5.3.3 In weiter Ferne so nah: "Rückblick-Ergriffenheit"5.3.4 Heimwehlieder im neuen Deutschland5.3.5 "Selbstwiderspruch": Zwischen Altem und Neuem6. Trauer im Zwischenraum: Der Zauberberg als "Buch des Abschiedes"6.1 Verlust, Abschied, Trauer: "Nie - niemals wieder"6.2 Normale und pathologische Trauer aus psychoanalytischer Sicht6.3 Das Themengewebe der Trauer in Der Zauberberg6.3.1 "System der Verheimlichung": Der Tod als soziales Tabu6.3.2 Hans Castorps Leben: Von Toten und anderen Verlusten6.3.3 Trauerabwehr: Spiritismus in der Kriegs- und Nachkriegszeit6.3.4 'Fragwürdigstes' im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit: Die Séance als Brückenritual6.3.5 Der Lindenbaum: In der Nostalgiefalle6.3.6 Schnee: Das Trauma als Ordnungsstifter?7. Schluß: Thomas Mann - Autorschaft im Zeichen des VerlustesLiteraturverzeichnisAbkürzungen



