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Description
»Die Stadt ruhte noch in ihrer Angst. Sie schlief nicht mehr und war doch nicht wach. Und dennoch war sie umgeben von einem Dunst aus gequältem Gestöhn und unterdrückter Lust, aus feuchten Küssen und dumpfen Schlägen, der ihr als Muster seit Jahren vor Augen stand. Ein zerschlissener Mantel, der sie umhüllte - abgetragen von der Zeit. Wie außerhalb von dieser Welt. Die Stadt hatte schon vieles gesehen. Zerstörung, Zerschlagung und Teilung. Abbruch und Aufbau. Abschied und Ankunft. Schmerz und Trennung. Verzweiflung, manchmal Verrat - niemals aber Mitleid. Sie war geschunden und vergewaltigt worden und hatte sich keuchend in Demut gefügt. Beständig und immer und immer wieder.«
Die Stadt - Berlin. Ostberlin in den Achtzigern. Roland S., junger Autor, arbeitet als Elektriker in einem Stahlwerk. Eines Morgens findet er einen Zettel in seinem Arbeitskittel. Eine Warnung. Die Angst vor der bevorstehenden Hausdurchsuchung lässt ihn an nichts anderes mehr denken, sie lähmt ihn, frisst ihn auf. Nach und nach fällt Roland ins Schweigen ...
»Das Beben von Berlin« - die Bilder von Heiner Studt und die Novelle »Grenzverletzung« von Karsten Dümmel sind hierbei sich ergänzende Zeugnisse, die den ewigwährenden Wandel, sei er privater, gesellschaftlicher oder auch erdgeschichtlicher Natur, dokumentieren. Ein politisches Erdbeben mit sichtbaren Spuren auf der Erdoberfläche. Karsten Dümmel, geboren in Zwickau, aufgewachsen in Thüringen. Elektromonteur im Uranbergbau. Abitur über den zweiten Bildungsweg. Leiter verschiedener kirchlich oppositioneller Arbeitskreise in der DDR. Ablehnung zum Studium. 1984 erster Ausreiseantrag - mit 56 Folgeanträgen. Zersetzungsmaßnahmen der Stasi: Stadtarrest, Zwangsarbeit, Kontaktaufnahmesperre. 1988 Freikauf durch die Bundesregierung. Studium der Rhetorik in Tübingen. Promotion. Zwölfjährige Arbeitsaufenthalte in West- und Ostafrika, Osteuropa sowie auf dem Balkan. Internationale Gastprofessuren. Dümmel lebt in Frankreich. Er ist Mitglied des P.E.N. Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland, des Autorenkreises der Bundesrepublik und des Writers-in-Prison-Committee. In Deutschland sind bisher erschienen: »Nachtstaub und Klopfzeichen« (2007), »Grenzverletzung« (2011) und »Strohblumenzeit« (2014). Heiner Studt, geb. 1942 in Greifswald, aufgewachsen in Jena, verließ 1961 kurz vor dem Mauerbau die DDR. 1962 Studium an der Hamburger Hochschule für bildende Künste. 1969-72 pädagogisches Zweitstudium an der Uni Lüneburg. Lehrer in Hamburg. Seit Mitte der Achtziger kontinuierliche künstlerische Tätigkeit und andere Betätigungen im politisch-kulturellen Raum. Ungezählte nationale und internationale Ausstellungen. Bis 2010 Mitarbeit in der Hamburger Galerie und Geschichtswerkstatt Morgenland. Bis 2014 Altsaxofonist in der Band »Tuten und Blasen«. Heiner Studt starb im September 2021.



