Description
(Text)
Die literarische Funktionsform der Flanerie in interkulturellen Texten derGegenwart erfährt zur Jahrtausendwende eine Renaissance. Literarische Flanerienbasieren auf Narrativen zum Wechselverhältnis von Wahrnehmungund Reflexion bei einer sich im urbanen Raum bewegenden Erzählinstanz.Die Studie untersucht anhand beispielhafter Analysen, wie das Verfahrender literarischen Flanerie neue Formen der ästhetischen Stadtwahrnehmungprägt. Die ausgewählten Erzähltexte zeichnen sich auf raumsemantischerEbene durch folienartige Überlagerungen von Stadträumen aus: Aus einerStadt werden viele Städte. In diese schreiben sich Lebensgeschichten ein, diejedoch nicht durch binäre Oppositionen gestaltet, sondern durch Strukturender Überlappung geprägt sind. Zustandsbeschreibungen werden durch dynamischeWahrnehmungsmuster und Bewegungspraktiken ersetzt. Den Textenliegt ein Erzählverfahren zugrunde, das sich nicht der Stiftung von Kohärenzverpflichtet, sondern Differenz- und Abweichungserfahrungen derFiguren imurbanen Raum ausstellt. Mit dem literarischen Verfahren der Flanerie werdenzu Beginn des 21. Jahrhunderts neue Erzählweisen über Migration und Stadtausgelotet, die in dieser Studie als Teilaspekt einer '(post-)migrantischen Ästhetik'in der Gegenwartsliteratur verstanden werden.
(Author portrait)
Jule Thiemann, M. Ed., seit 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstellefür Interkulturelle Literatur- und Medienwissenschaft der UniversitätHamburg. Promotion an der Univ. Hamburg und der Macquarie University,Sydney. Studium der Germanistik und Anglistik in Hamburg und Wellington.



