Description
Der literarische Vormärz ist nicht in erster Linie für eine Wiederentdeckung der Antike bekannt. Und doch wird das Attische Theater in den Jahren um die Märzrevolutionen zugleich Modell und Forum einer sich neu kalibrierenden bürgerlichen Öffentlichkeit. Julia Stenzel zeichnet die szenisch-literarische Realisierung dieser anderen Antike nach. Ausgangspunkt ist die Diskussion, Kritik und Parodie der vielbeachteten Antigone-Rekonstruktionen mit Mendelssohns Chören (Potsdam 1841) in Feuilletons, Journalen, literarischen und politischen Debatten. Im Zentrum steht das Schreiben der 'deutschen Aristophaniden', die sich - gegen das Modell der antiken Tragödie - dezidiert auf die Attische Komödie beziehen und so eine politische Antike für ihre Positionen reklamieren. In der literarisch-politischen Konstellation des deutschsprachigen Aristophanismus werden Prozesse der Historisierung und Pluralisierung des Attischen Theaters bis in die internationale Populärkultur des späten 19. Jahrhunderts sichtbar.



