Description
Zu den Grundelementen des Selbstbildes der Europäischen Union gehört der Schutz öffentlicher Äußerungsformen ethnisch geprägter Minderheitskulturen. Dieser Band, der auf eine internationale Tagung am IKDE Freiburg in Zusammenarbeit mit der Universität Debrecen zurückgeht, beschäftigt sich in seinem Schwerpunkt mit dem Aspekt der ungarndeutschen Kultur in Ungarn. Hier existieren gegenwärtig mehr als 400 lokale ungarndeutsche Minderheitenselbstverwaltungen ("német nemzetiségi önkormányzatok") und mehr als 500 ungarndeutsche Kulturvereine. Was heißt nun "Kultur der ungarndeutschen Minderheit" in Ungarn, wie sieht sie heute aus, in welchen Bezügen steht sie - in einer Situation ohne die alltägliche Verwendung der besonderen Sprache? Der Fokus liegt auf Landgemeinden, die durch Einwanderung aus dem deutschen Sprachraum im 18. Jahrhundert geprägt worden sind, insbesondere auch auf Beispielen in Nordwestungarn, einer bislang im deutschen Publikationskreis wenig beleuchten Region.
Gleichermaßen werden exemplarische Forschungsergebnisse zum Problem kultureller Selbstbehauptung der nach Deutschland vertriebenen Ungarndeutschen vorgestellt und um einen aktuellen Problemkreis, die Pendelmigration ungarndeutscher Altenpflegerinnen, ergänzt. Außerdem eröffnen Arbeiten zur Minderheitskultur der Russinen und der Roma in Ungarn eine Vergleichsperspektive. Abhandlungen zu den rechtlichen Grundlagen der Minderheitenkultur sowie zum Begriff der "Ethnizität" runden den Inhalt ab.
Mit Beiträgen von Bence Ament-Kovács, Rainer Bendel, Gábor Biczó, Ralf Thomas Göllner, Erika Hammer, Róbert Keményfi, Carlo Leinauer, Melinda Marinka, Beáta Márkus, Michael Prosser-Schell, Achim Rabus, Csilla Schell, Gabriella Sós, Ágnes Tóth. Michael Prosser-Schell, Apl. Prof. Dr. phil., geb. 1960.Studium der Volkskunde, Geschichte, Linguistik, Literaturwissenschaft in Freiburg und Würzburg. Promotion 1991, danach Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Volkskunde der Universität Regensburg. 2002 Habilitation. 1998-2004 Lehrtätigkeit an den Universitäten Regensburg, Würzburg, Bamberg, Erlangen-Nürnberg. Seit 2004 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Johannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde und Lehrbeauftragter am Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Freiburg; seit 2008 Außerplanmäßige Professur ebendort. Veröffentlichungen im Arbeitsbereich des Johannes-Künzig-Instituts, u.a. auch zur Erzählforschung, Festforschung, zur Kulturgeschichte des Badewesens, Interkulturalität im Mittleren Donauraum. Mitherausgeber des "Jahrbuchs für deutsche und osteuropäische Volkskunde" (seit 2005). Mitglied u.a. in der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde (seit 2004), im Alemannischen Institut (seit 2006) und der Ungarischen Volkskundlichen Gesellschaft [Magyar Néprajzi Társaság] (seit 2009).



