Description
Galten Schutzengelbilder bislang als Phänomen der Neuzeit, so muss dieses Urteil nun gründlich revidiert werden: Sie begleiten Gläubige seit den Anfängen christlicher Kunst. Bilder von erstaunlicher Tiefsinnigkeit, zwischen "Magie", Devotion und Didaktik, stellen ein populäres Motiv in neues Licht. Die Untersuchung verfolgt die Entwicklung des Schutzengelbildes durch die ersten zwölf Jahrhunderte und durch alle bildschaffenden Gattungen: Malerei und Skulptur, Buchillustration und populäre Druckgraphik, Schmuckstücke, Pilgerzeichen und magische Amulette. Der Weg beginnt in der Spätantike und führt über den Psalter des frühen Mittelalters zu vielfältigen Trägerszenen, bis sich in Stundenbuch und Altarbild schließlich eine echte "Heiligenikonographie" etabliert.Die ikonologisch angelegte Studie fragt nach Bildtypen, Bedeutungsebenen und historischem Kontext ebenso wie nach der Bildfunktion und dem Kontakt zwischen Bild und Betrachter. Eine tiefe emotionale Bindung, angesiedelt im breiten Grenzbereich zwischen privater Frömmigkeit und "Magie", bot sich dabei früh zur gezielten Nutzbarmachung an. Das Schutzengelbild findet seine funktionale Bestimmtheit zwischen Devotion und Didaktik. Frank Büttner ist Ordinarius am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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