Full Description
Im reformierten Gericht des späten Russischen Reichs konnten spannende literarisierte Erzählungen mehr bewirken als Gesetze. Begünstigt wurde dies durch die Form des Geschworenengerichts sowie durch einige originelle Justiznormen. Dieses Buch analysiert herausragende Plädoyers der Epoche und zeigt, wie Anwälte mithilfe narrativer Techniken und literarischer Verfahren die Rechtsprechung nachhaltig beeinflussten - bis hin zu spektakulären Freisprüchen trotz nachgewiesener Täterschaft. Narrative Strategien konnten dabei zum Schutz Benachteiligter und zur Bereicherung der Literatur beitragen, aber gleichzeitig faktische Impunität ermöglichen.
Contents
I DIE ERFORSCHUNG DES RUSSISCHEN LITERARISIERTEN PLÄDOYERS UNTER NARRATOLOGISCHEN GESICHTSPUNKTEN.- 1 Historischer Kontext: Das literarisierte Plädoyer als Produkt der russischen Justizreform 1864.- 2 Narration in Plädoyers: Methodologische Vorüberlegungen.- II PLÄDOYERS IN PROZESSEN UM BEZIEHUNGSTATEN.- 3 Der Anwalt als ,unzuverlässiger Erzähler': Das Plädoyer von Aleksandr Urusov im Fall Mavra Volochova.- 4 Zwei Plädoyers des ,legendären' Anwalts Fëdor Plevako.- 5 Zwei Plädoyers des Anwalts und Dichters Sergej Andreevskij.- 6 Wahrhaftigkeit trotz Parteilichkeit: Nikolaj Karabčevskijs Plädoyer im Fall Ol'ga Palem.- III PLÄDOYERS IN POLITISCH RELEVANTEN PROZESSEN.- 7 Vom Teufel verführt: Vladimir Spasovičs Plädoyer für Kuznecov im Nečaevcy-Prozess.- 8 Die Terroristin als eine mythologische Figur: Pëtr Aleksandrovs Plädoyer im Prozess von Vera Zasulič.- 9 Ritualmordlegende: Anwälte im Kampf gegen die literarisierte Verleumdung von Allogenen (Kutaissi-Prozess, Multaner-Prozess, Prozess Bejlis).- IV SCHLUSSBEMERKUNGEN.- 10 EXKURS: ANWALT, PLÄDOYER UND GESCHWORENENGERICHT IM SPIEGEL DER LITERATUR.- 11 FAZIT UND AUSBLICK.



