Description
Gershom Scholems Name steht über die Fachgrenzen der Jüdischen Studien hinaus für die Geschichte der jüdischen Mystik und des jüdischen Messianismus. Weniger bekannt ist, dass er zeitlebens intensiv mit Dichtungen und Übersetzungen sowie mit philologischen sprachtheoretischen Fragen befasst war. Die Edition zeigt diese literarische Seite des bekannten Religionswissenschaftlers. Sie gibt erstmals umfassend und systematisch Einblick in die Arbeit des Literaten und Übersetzers, des Intellektuellen und Kritikers, indem sie Scholems Poetica in sechs Abteilungen versammelt und die einzelnen Texte ausführlich kommentiert.
Gerschom Scholem erscheint hier als engagierter Intellektueller Israels, der sich in zeitgenössische Debatten um Autoren im Lande und um solche in der Diaspora einschaltete und intervenierte, so analytisch wie aufgeregt. I. Klage und KlageliederÜber Klage und Klagelied (1917/1918)
Die Klagelieder (1917)
Luthers Übersetzung von Hiob 30,8-31 (um 1918)
Hiobs Klage (um 1918)
Klage (o. J.)
2. Samuelis 1,17-27 (1917)
Das Klagelied Amarti sche'u mini des Kalonymus ben Jehuda über die von 1096 (1919)
Ein mittelalterliches Klagelied (1919)
Ezechiel Kapitel 19: Klagelied um die letzten Fürsten Israels (o. J.)
Das Buch Joel (o. J.)
Das Klagelied Eli Zion weracha des Salomo ibn Gabirol (o. J.)
Kohelet 6,6-7,2 (o. J.)
Jesaja 1-52 (o. J.)
II. Übersetzungen religiöser Texte
Das Hohe Lied. Alt-Hebräische Liebeslyrik (1915)
Moaus Zur (1918)
Übersetzung einer Habdala des Juda Halevi (um 1918/1919)
Das Buch Jona (um 1918/1919)
Ein Lied zu Sabbatausgang (1923)
Juda Halevi: Keroba zu Sabbath Chason (1923)
Mosche ben Nachman: Hymnus vom Schicksal der Seele (1935)
Übersetzung der Hymne Adon olam des R. Salomo ibn Gabirol (o. J.)
Übersetzungen der Psalmen 1-21, 37, 38, 57 (o. J.)
III. Sprach- und Übersetzungstheoretisches
Zum Problem der Übersetzung aus dem Jidischen (1917)
1a. Zum Problem der Übersetzung aus dem Jidischen. Erwiderung (Alexander Eliasberg, 1917)
1b. Antwort (1917)
1c. Zum Problem der Übersetzung aus dem Jidischen (Mathias Acher, 1917)
Über das Hohe Lied (1917)
Die Kunst des Verschweigens im Talmudischen Stil (1918)
Eine falsche Ansicht über die Beziehung der jüdischen Dichtung zur Bibel (vermutlich 1918/1919)
Zur neuhebräischen Lyrik, mit Übersetzungen zu Jakob Cahan (1919)
Journalismus und Musivstil (1919)
Wie soll man Hebräisch lernen? (1919)
Über die jüngste Sohar-Anthologie (1920)
8a. Entgegnung (Jankew Seidmann, 1920)
8b. Zum Schlusse meiner Seidmann-Kritik (1920)
Das Problem des Aramäischen als Sprache der jüdischen Mystik (vermutlich zwischen 1918 und 1923)
Januar 1925: Das Selbe wie stets (1925)
Die neue Genesis, eine Übersetzung (1925)
Bekenntnis über unsere Sprache. Mit einer Vorstufe
12a. Sprachbekenntnis (1925)
12b. Bekenntnis über unsere Sprache (1926)
Die Verzweiflung des Siegenden (1926)
Wenn die Sprache ein relativistisches Werkzeug der Erkenntnis wäre (um 1926)
Bei der Wanderung der Sprache vom Buch ins Leben ist die »Seele« verloren gegangen (Mitte/Ende 1920er)
An einem denkwürdigen Tage (1961/1963)
Sprache (1970)
IV. Chaim Nachman Bialik und Samuel Josef Agnon: Übersetzungen
Chaim Nachman Bialik: Halacha und Aggada (1919)
Chaim Nachman Bialik: ( 1919)
S. J. Agnon: Die Geschichte von Rabbi Gadiel dem Kinde (1920)
S. J. Agnon: Aufstieg und Abstieg (1924)
S. J. Agnon: Die Geschichte von Asriel Mosche dem Bücherwart (1924)
S. J. Agnon: Die große Synagoge (1924)
IV. Chaim Nachman Bialik und Samuel Josef Agnon: Kritiken
Zur Halacha-Aggada-Streitfrage (1919)
Brenner wirft es Bialik vor, daß er »abstrakt« und theoretisch rede (1919)
Am Übergang der Geschlechter steht der einsame Bewahrer der Tradition (um 1926)
Rundfrage zum hebräischen Buch (1928)
Impressionen und Ref lexionen. Zum 60. Geburtstag S. J. Agnons (1948)
Die kabbalistischen Quellen der Geschichte von Rabbi Gadi'el dem Kinde von S. J. Agnon (1958)
Über einen Roman von S. J. Agnon (1965)
Agnon in Deutschland. Erinnerungen (1967)
S. J. Agnon - der letzte hebräische Klassiker? (1967)
V. Literatur und Kritik
Gedanken über Mörikes Maler Nolten (1918)
Über Rainer Maria Rilkes Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1918)
Lyrik der Kabbala? (1921)
D Scholem, GershomGershom Scholem (1897-1982) begründete mit seinen Werken einen neuen Forschungszweig: die wissenschaftliche Erforschung der jüdischen Mystik, die ein neues Verständnis des Judentums und der jüdischen Geschichte eröffnet hat. Weigel, SigridSigrid Weigel ist Professorin am Institut für Literaturwissenschaft der Technischen Universität Berlin und Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. »Poetica so wird man nach der Lektüre sagen müssen, ist ein eigener Erdteil in der Welt Scholems. Einer, der bislang halb unter Wasser lag und jetzt seine volle Schönheit entfalten kann. Mit dem Band ist den Herausgebern zudem eine Verlebendigung dieses großen Gelehrten gelungen, die man gar nicht mehr zu erhoffen wagte.« Thomas Meyer DIE ZEIT 20190828



