Description
Das Testament war der wichtigste, zugleich aber auch komplexeste Rechtsakt eines römischen Bürgers. Es bestand ein signifikantes Risiko, dass bei der letztwilligen Verfügung Fehler unterliefen, wobei es zugleich galt, Testamentslosigkeit unbedingt zu vermeiden. Die Verantwortung, ggf. zu retten, was zu retten war, lag in den Händen der Juristen. Das Testament war der wichtigste, zugleich aber auch komplexeste und damit fehleranfälligste Rechtsakt im Leben eines römischen Bürgers. Während also ein signifikantes Risiko bestand, dass bei der Errichtung einer letztwilligen Verfügung Fehler unterliefen, galt es zugleich, die als Schande empfundene Testamentslosigkeit unbedingt zu vermeiden. Die Verantwortung, gegebenenfalls zu retten, was zu retten war, lag in den Händen der Juristen. Wie sie ihr nachkamen, wird in dieser Habilitationsschrift anhand detaillierter Quellenstudien nachgezeichnet. Dabei wird die Testierpraxis samt den dort belegten Fehlern den in den Juristenschriften überlieferten rechtlichen Vorgaben sowie Lösungen gegenübergestellt und herausgearbeitet, wann und wie dem Erblasserwillen zur Wirksamkeit verholfen werden konnte, auch wenn er nicht juristisch korrekt zum Ausdruck gebracht worden sein sollte. Vorwort - Abkürzungen - I. Einleitung - 1. Untersuchungsgegenstand und Forschungsstand - 2. Begriffsbestimmungen - 3. Zielsetzung und Aufbau der Untersuchung - II. Römische Testamente in der Praxis - 1. Originale: Holztäfelchen - 2. Kopie: Inschrift - 3. Musterformular, Entwürfe, Abschriften, Eröffnungsprotokolle: Papyri - III. Rechtliche Formalvorgaben - 1. Unabdingbare Wirksamkeitsvoraussetzungen - 2. Bedeutung der Rechtsschichten - 3. Vergleich zu Rechtsgeschäften unter Lebenden - 4. Notwendigkeit einer bestimmten Abfolge von Testamentsklauseln - IV. Testamentsentwurf und unvollendetes Testament - V. Anfangsformeln und sonstige mögliche Bestimmungen vor der heredis institutio - 1. Testamentserrichtungsformel - 2. Generelle Umdeutungsklausel (,Kodizillarklausel' I) - 3. Enterbung - 4. Einzelverfügungen - VI. Heredis institutio - 1. Fehlende Erbeinsetzung und plus nuncupatum, minus scriptum - 2. Erben für abgegrenzte Vermögenskomplexe: Nemo pro parte testatus pro parte intestatus decedere potest - 3. Fehlerhafte Bestimmung der Quote - 4. Unzutreffende Begründung bei der Erbeinsetzung - 5. Irrtum über den status des heres scriptus - 6. Fictio legis Corneliae - 7. Testamenti factio und capacitas des Erben - 8. Sukzession des ausschlagenden Testamentserben als Intestaterbe - 9. Erbeinsetzung in einem Kodizill - 10. Befristete oder bedingte Erbeinsetzungen - 11. Einsetzung unter Auflage - 12. Verbote (und Gebote) - 13. Überlegungen zum Prozess - VII. Praeteritio und exheredatio - 1. Umdeutung testamentarischer Bestimmungen bei praeteritio - 2. Praeteritio durch Frauen - 3. Exheredatio - VIII. Cretio-Klausel und Erbschaftsantritt - 1. Ausgestaltung der cretio-Klausel - 2. Notwendige Mitwirkung Dritter beim Erbschaftsantritt - IX. Substitution - 1. Causa Curiana - 2. Pupillarsubstitution als Vulgarsubstitution - 3. Vulgarsubstitution als Pupillarsubstitution - 4. Substitutionstyp bei wechselseitiger substitutio - 5. Errichtung eines Pupillartestaments durch Frauen - 6. Bestellung von Sklaven als Substituten - 7. Pupillarsubstitution im Kodizill - 8. Formfehler im väterlichen Testament bei Vorliegen eines Pupillartestaments (und umgekehrt) - 9. Quotenregelungen im Falle der substitutio reciproca - 10. Umkehr von institutio und substitutio - 11. ,Indirekte' Substitution: Universalfideikommiss - X. Verstärkungsklausel (,Kodizillarklausel' II) - XI. Exkurs: Selbstzuschreibung - XII. Legate - 1. Vindikationslegat - 2. Legatum per praeceptionen und Verwandtes - 3. Damnationslegat - 4. Duldungslegat - 5. Legatum partitionis - 6. Ac si in in testamento scripta essent - 7. Repetitio legatorum - 8. Mehrfachlegat desselben Gegenstandes - 9. Legatum debiti - 10. Legat einer nicht klagbaren Forderung oder von von Dritten zu wählenden Gegenständen - 11. Abänderung des Verwendungszweckes von vermachtem Geld - 12. Probleme der Bestimmtheit - 13. Sonderprobleme von Legaten unter einer Bedingung oder Auflage - 14. Falsche Begründung oder unrichtige zusätzliche Bezeichnung von begünstigter Person oder betroffenem Gegenstand: Der Ursprung von falsa demonstratio non nocet - 15. Umdeutung der Person des Begünstigten - 16. Regula Catoniana - 17. Dies-cedens-Verschiebung als Instrument der ,Rettung' unwirksamer Legate - 18. Überlegungen zum Prozess - XIII. Fideikommisse - 1. Sprache - 2. Verba fideicommissi - 3. Fideicommissum a debitore relictum - 4. Veräußerungsverbote, unbestimmte Begünstigte und Familien-fideikommisse - 5. Widersprüchliche Fideikommisse - 6. Das Schicksal von Fideikommissen bei Scheitern des Erwerbs durch den Belasteten - 7. Fehlende capacitas des Begünstigten - 8. Prozessuale Besonderheiten bei der Durchsetzung von (umgedeuteten) Fideikommissen - XIV. Freilassungsanordnungen - 1. Bedingte testamentarische Freilassung - 2. Die Bedingung für die Freilassung als Vermächtnis - 3. Beurteilungszeitpunkt für die Gültigkeit einer manumissio im testamentarisch bestätigten Kodizill - 4. Testamentarische Freilassung verpfändeter Sklaven - 5. Umdeutung einer falschen Bezeichnung in eine Anordnung - 6. Fiktive repetitio libertatis - 7. Bedingte Erbeinsetzung mit den Wirkungen einer manumissio testamentaria sowie fideicommissaria - 8. Fideikommissarische Freilassung im ungültigen Testament - 9. Prozessuale Umsetzung der Umdeutung bei fideikommissarischer Freilassung - 10. Addictio bonorum libertatis causa - XV. Bestellung von Tutoren und Verwaltern - 1. Hinzufingieren der Freilassung bei Bestellung von Sklaven - 2. Fideikommisse zulasten des unwirksam bestellten Vormunds - XVI. Strafklauseln - XVII. Begräbnis- und Grabkultklauseln - XVIII. Bestätigungsklausel (,Kodizillarklausel' III)
1. Bestätigungsklausel im Testamentsentwurf - 2. Fehlende Bestätigungsklausel und Rechtsirrtum eines minor - XIX. Schlussformeln - 1. Dolus-malus-Formel - 2. Manzipationsklausel - 3. Ort und Datum - 4. Unterschrift des Testators - 5. Die Außenseiten der Urkunde.. - XX. Widerruf und nächträgliche Änderungen - 1. Entsiegelte oder zerstörte Urkunde - 2. Ausgestrichene Erben - 3. Translatio legati und translatio fideicommissi - XXI. Intestatfideikommisse - XXII. Exkurs: Schenkungen unter Lebenden und Umdeutung in letztwillige Verfügungen - 1. Donatio mortis causa - 2. Schenkung unter Ehegatten - XXIII. Verbindlichkeit des Unverbindlichen - XXIV. Conclusio - XXV. Zusammenfassung - Verzeichnisse - 1. Literaturverzeichnis - 2. Quellenverzeichnis - 3. Stichwortverzeichnis Lisa Isola war nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften Univ. Ass. an der Universität Wien (praedoc) sowie JKU Linz (postdoc). Nach einer ersten befristeten Universitätsprofessur an der KFU Graz wechselte sie für eine Tenure-Track-Professur an die Universität Wien. Sie ist Trägerin mehrerer nationaler sowie internationaler Wissenschaftspreise.



