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Description
Wie unterscheiden Kinder - und inwiefern greifen sie dabei auch auf antisemitische Deutungsmuster zurück? Diese Studie nimmt eine bislang unbeachtete Perspektive ein: die frühen Lebensjahre von Kindern im Alter von vier bis acht Jahren. Ausgehend vom Agency-Konzept der Kindheitsforschung versteht sie Kinder nicht als passive Empfänger gesellschaftlicher Normen, sondern als aktive Akteure, die Differenz konstruieren, aushandeln und reproduzieren. In Gruppendiskussionen mit 36 Kindern zeigen sich Momente, in denen antisemitische Wissensbestände aufgegriffen, neu verknüpft und performativ in Szene gesetzt werden - von klassischen Stereotypen über phantasmatische Bedrohungsbilder bis hin zu Vorstellungen einer »jüdischen Physiognomie«. Die Studie macht sichtbar, dass antisemitisches Othering bereits im Kindesalter Ausdruck findet. Ziel ist es nicht, Kinder als Antisemiten zu markieren - ebenso wenig, sie davon per se freizusprechen. Es geht darum, ihre Perspektiven ernst zu nehmen und zu zeigen, wie sie gesellschaftlich wirksame Deutungen aktiv mitgestalten. Damit leistet die Untersuchung einen grundlegenden Beitrag in der Schnittstelle zwischen Kindheitsforschung und Antisemitismusforschung und eröffnet neue Horizonte für pädagogische und gesellschaftliche Reflexion. 1. Einleitung 1.1 Genese der Fragestellung und Erkenntnisinteresse 1.2 Theoretische und methodische Überlegungen 1.3 Struktur der Arbeit 2. Entwicklung kindlicher Agency - Historisch-systematische Grundlagen der qualitativen Kindheitsforschung 2.1 Historische Konstruktionen von Kindheit und Handlungsfähigkeit2.1.1 Historisierung der Kindheit: Von Rousseau bis Ariès - Kindheit als eigenständige Lebensphase? 2.1.2 Kindheit als Phase der Unvollständigkeit: Frühe Neuzeit bis Aufklärung 2.1.3 Das »Jahrhundert des Kindes«: Erste Ansätze einer Anerkennung kindlicher Eigenständigkeit 2.2 Disziplinäre Perspektiven auf Kinder und die Herausbildung kindlicher Agency 2.2.1 Kinder als Entwicklungsprojekte: Perspektiven der Entwicklungspsychologie 2.2.2 Kinder als Sozialisationsobjekte: Sozialisationsforschung und die schwindende Agency 2.2.3 Wendepunkt: Die Kindheitssoziologie und die Geburt der Childhood Studies 2.2.4 Erziehungswissenschaftliche Kindheitsforschung im deutschsprachigen Raum 2.2.5 Generationale Ordnung und Kinderkulturen im Kontext kindlicher Agency 3. Antisemitismus als Differenzkonstruktion 3.1 Begriff und Definition von Antisemitismus 3.1.1 Erscheinungsformen von Antisemitismus 3.2 Antisemitismus und das Konzept des Otherings 3.2.1 Das Konzept des Otherings in postkolonialen Theorien 3.2.2 Über das Verhältnis von Antisemitismus und Rassismus 3.2.3 Antisemitisches Othering 4. Forschungsstand: Kindheit und Differenz 4.1 Studien aus dem angloamerikanischen Raum 4.2 Studien aus dem deutschsprachigen Raum 4.3 Studien über Konstruktionen von religiös codierter Differenz 4.3.1 Religionspädagogische Perspektiven 4.3.2 Relevante Studien aus dem internationalen Kontext 4.3.3 Erziehungswissenschaftliche Forschung 4.4 Leerstelle in der Antisemitismusforschung: Die Phase der frühen und mittleren Kindheit 4.5 Sozial- und entwicklungspsychologische Erkenntnisse über Differenzwahrnehmung und Vorurteilsentwicklung unter Kindern5. Theoretischer Analyserahmen: Praxistheorie 5.1 Grundannahmen in der Praxistheorie 5.2 Praxistheorie und das Agency-Konzept der Kindheitsforschung 5.3 Praxistheorie und Differenzforschung 5.3.1 Praxistheoretische Perspektiven auf erziehungswissenschaftliche Differenzforschung 5.3.2 Eine praxistheoretische Perspektive auf Antisemitismus 6. Methodologie und methodisches Vorgehen 6.1 Erziehungswissenschaftliche Kindheitsforschung 6.2 Forschungszugänge zur kindlichen Perspektive 6.2.1 Qualitative Interviews mit Kindern 6.3 Die Methode der Gruppendiskussionen und ihr Potenzial für die Kindheitsforschung 6.4 Empirische Forschung und Grounded Theory 6.4.1 Datenanalyse mittels Grounded Theory 7. Forschungsdesign und Durchführung der Studie 7.1 Feldzugang: Drei Herausforderungen 7.2 Erhebung und Aufbereitung der empirischen Daten 7.3 Anwendung der Methode: Gruppendiskussion 7.4 Reflexion der Methode 7.5 Zur Auswertung der erhobenen Daten 7.5.1 Deskriptive Darstellung der fünf Gruppengespräche 7.6 Kategorien im Codierverfahren 8. Interpretation der empirischen Daten: Kindliche Re-Produktion von antisemitischem Othering und religiös codierte Differenzkonstruktionen 8.1 Das Stereotyp des 'reichen Juden' bei Marlene (6 Jahre) 8.2 Phantasmatische Assoziationen: 'Gefahr' und 'Ekel' bei Ahmad (7 Jahre) 8.3 Rassifizierung: Die 'jüdische Nase' bei Alina (8 Jahre) 8.4 Die Beschimpfung »Du Jude« - eine Erfahrung aus Ibrahims Klasse (7 Jahre) 8.5 Israelfeindliche Demonstration - eine Erinnerung von Ibrahim (7 Jahre) 8.6 Nichtwissen und fragmentarisches Wissen über jüdisches Leben 8.6.1 Thematisierung der nationalsozialistischen Verbrechen 8.7 Kinder zwischen affirmativer und distanzierter Re-Produktion des antisemitischen Otherings 8.8 Religiös codierte Differenzkonstruktionen unter Kindern 8.9 Exkurs: Dilemmata in der Forschung zu Antisemitismus unter Kindern 9. Diskussion der Ergebnisse 9.1 Über die kindliche Re-Produktion von antisemitischem Othering 9.1.1 Über die k Saba-Nur Cheema ist Politologin, Publizistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität sowie am Institut für Sozialforschung, Frankfurt/Main. Sie gehörte dem Expertenkreis Muslimfeindlichkeit an und schreibt mit Meron Mendel die FAZ-Kolumne »Muslimisch-jüdisches Abendbrot«.



