Description
Die Studie untersucht die Entwicklung der belarusischen Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg, die bis heute das historische Selbstverständnis des Landes prägt. Auf der Grundlage einer mikrohistorischen Analyse zentraler und lokaler Museen, Gedenkstätten und Denkmäler revidiert sie - überwiegend gestützt auf archivalische Quellen - das Bild einer monolithischen Erinnerungskultur. Stattdessen zeigt Ekaterina Keding, dass die Kriegserinnerung sowohl in der sowjetischen als auch in der nachsowjetischen Zeit stets heterogen und kontextabhängig war und politisch instrumentalisiert wurde. Die Kriegserinnerung war von einer Vielzahl von Akteuren geprägt, die jeweils eigene Interessen verfolgten und so die Erinnerung vielfältig und dynamisch gestalteten. Die über mehrere Jahrzehnte nachgezeichnete Vielstimmigkeit und Vielschichtigkeit dieser Erinnerung sowie die daraus erwachsenen Spannungen zwischen einem Gedenken "von oben" und einem Gedenken "von unten" - zwischen Triumph und Trauma - eröffnen tiefe Einblicke in die Identitätsbildung von Belarus und in eine Erinnerungskultur, die von kontinuierlichem Wandel und abrupten Brüchen geprägt ist. Martin Schulze Wessel ist Professor für die Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Universität München und leitet das Collegium Carolinum. Ulf Brunnbauer ist Professor für Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg, Regensburger Sprecher der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und geschäftsführender Direktor des Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS), Regensburg.



