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Description
Seit der Zeit der Renaissance ist unser Weltbild von einer zentralen Unterscheidung bestimmt: der zwischen Natur und Kultur. Dort die von Naturgesetzen regierte, unpersönliche Welt der Tiere und Dinge, hier die Menschenwelt mit ihrer individuellen und kulturellen Vielfalt. Diese fundamentale Trennung beherrscht unser ganzes Denken und Handeln. In seinem faszinierenden Buch zeigt der große französische Anthropologe und Schüler von Claude Lévi-Strauss, Philippe Descola, daß diese Kosmologie alles andere als selbstverständlich ist. Dabei stützt er sich auf reiches Material aus zum Teil eigenen anthropologischen Feldforschungen bei Naturvölkern und indigenen Kulturen in Afrika, Amazonien, Neuguinea oder Sibirien. Descola führt uns vor Augen, daß deren Weltbilder ganz andersartig aufgebaut sind als das unsere mit seinen »zwei Etagen« von Natur und Kultur. So betrachten manche Kulturen Dinge als beseelt oder glauben, daß verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Tieren und Menschen bestehen. Descola plädiert für eine monistische Anthropologie und entwirft eine Typologie unterschiedlichster Weltbilder. Auf diesem Wege lassen sich neben dem westlichen dualistischen Naturalismus totemistische, animistische oder analogistische Kosmologien entdecken. Eine fesselnde Reise in fremde Welten, die uns unsere eigene mit anderen Augen sehen läßt. I. Die Natur in Trompe-l'oeil
1. Figuren des Kontinuierlichen
2. Das Wilde und das Domestizierte
Nomaden-Räume
Der Garten und der Wald
Der Acker und das Reisfeld
Ager und silva
Der Hirte und der Jäger
Römische Landschaft, herzynischer Wald, romantische Natur
3. Die große Trennung
Die Autonomie der physis
Die Autonomie der Schöpfung
Die Autonomie der Natur
Die Autonomie der Kultur
Die Autonomie des Dualismus
Die Autonomie der Welten
II. Strukturen der Erfahrung
4. Die Schemata der Praxis
Struktur und Beziehung
Das Wissen des Vertrauten
Schematismen
Differenzierung, Stabilisierung, Analogien
5. Beziehung zu sich, Beziehung zum Anderen
Identifikationsmodi und Beziehungsmodi
Der Andere ist ein »Ich«
III. Die Dispositionen des Seins
6. Der wiederhergestellte Animismus
Formen und Verhaltensweisen
Die Gestalten der Metamorphose
Animismus und Perspektivismus
7. Über den Totemismus als Ontologie
Die Traumzeit
Australisches Inventar
Semantik der Taxonomien
Varietäten von Hybriden
Rückkehr zu den Totems der Algonkin
8. Die Gewißheiten des Naturalismus
Eine irreduzible Menschheit?
Tierische Kulturen und Sprachen?
Ein Mensch ohne Geist?
Rechte der Natur?
9. Schwindelerregende Analogie
Die Kette des Seins
Eine mexikanische Ontologie
Afrikanische Echos
Kopplungen, Hierarchie, Opfer
10. Terme, Beziehungen, Kategorien
Einbeziehungen und Symmetrien
Unterschiede, Ähnlichkeiten, Klassifikationen
IV. Der Gebrauch der Welt
11. Die Institution der Kollektive
Jeder Art ihr Kollektiv
Eine asoziale Natur und exklusive Gesellschaften
Unterschiedliche komplementäre hybride Kollektive
Ein gemischtes, inklusives und hierarchisiertes Kollektiv
12. Metaphysik der Sitten
Ein um sich greifendes Ich
Das denkende Schilfrohr
Das Kollektiv repräsentieren
Die Signatur der Dinge
V. Ökologie der Beziehungen
13. Die Formen der Verbundenheit
Geben, nehmen, tauschen
Produzieren, schützen, übermitteln
14. Der Verkehr der Seelen
Räuber und Beute
Die Symmetrie der Verpflichteten
Die Gemeinsamkeit des Teilens
Das ethos der Kollektive
15. Strukturgeschichten
Vom Karibu-Mann zum Herrgott-Stier
Jagd, Zähmung, Domestizierung
Genese der Veränderung
Epilog Das Register der Möglichkeiten
Danksagungen
Bibliographie
Verzeichnis der Abbildungen
Nachwort von Michael Kauppert
Register Philippe Descola, geboren 1949, ist emeritierter Professor für Anthropologie am Collège de France und gilt als der bedeutendste französische Anthropologe der Gegenwart. In seinen Forschungen entwickelt er eine vergleichende Anthropologie, die sowohl die Humanwissenschaften als auch die Reflexion über die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit revolutioniert hat. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit der Goldmedaille des Centre national de la recherche scientifique (CNRS), der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung Frankreichs. Sein Buch Die Formen des Sichtbaren. Eine Anthropologie der Bilder gewann 2021 den Prix Fondation Martine Aublet.
Eva Moldenhauer, 1934 in Frankfurt am Main geboren, war seit 1964 als Übersetzerin tätig. Sie übersetzte Literatur und wissenschaftliche Schriften französischsprachiger Autoren ins Deutsche, u.a. von Claude Simon, Jorge Semprún, Marcel Mauss, Mircea Eliade, Gilles Deleuze und Lévi-Strauss. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis und dem Paul-Celan-Preis. Eva Moldenhauer verstarb am 22. April 2019.
Michael Kauppert ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für allgemeine und theoretische Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Dieser Wälzer ist beileibe keine einfache Kost, aber eine überaus inspirierende Fundgrube, die einen systematischen Einblick ermöglicht, auf welche Weisen sich Menschen als Teil ihrer Mitwelt verstehen."Oya



