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Description
Daß Familienmitglieder gegenseitig ihre körperliche, seelische und sexuelle Integrität verletzen, wird seit einiger Zeit auf neue Weise öffentlich thematisiert. »Gewalt gegen Kinder« und »Gewalt gegen Frauen«, neuerdings »Gewalt gegen Alte« in Familien sind die Stichworte, die eine gesellschaftliche Auseinandersetzung von erheblicher sozialpolitischer Brisanz kennzeichnen.
Um die Spezifität familialer Gewalt zu begreifen, versucht die vorliegende Untersuchung in einem ersten Schritt, die weitgehend in voneinander abgeschotteten Zirkeln - primär der konventionellen Familiensoziologie, der feministischen Sozialwissenschaft, der Therapieforschung und der Sozialpsychologie, aber auch anderer Ansätze - diskutierten Problemstellungen, Konzepte und Befunde als selektive Wirklichkeitskonstruktionen aufzufassen und in einem fiktiven Kolloquium aufeinander zu beziehen.
Im Mittelpunkt des zweiten Untersuchungsschritts stehen Interpretationen narrativer Interviews über die sozialen Bedeutungen von Gewalthandeln im Familienalltag. Sie gelten Normalisierungsstrategien. Das sind nicht Entschuldigungen, Rechtfertigungen, Vorwände oder Ausreden, sondern Erklärungen, mittels derer die Akteure in der Interviewsituation ihrem Gewalthandeln oder Gewalterleiden, von dem sie berichten, Sinn verleihen. Dabei explizieren sie handlungsorientierende Deutungsmuster.
Zentrales Thema des Nachworts zur Taschenbuchausgabe ist die sexuelle Ausbeutung von Kindern innerhalb und außerhalb ihrer Familien.
Die gesellschaftliche Definition eines sozialen Problems: Was ist der Gegenstand sozialwissenschaftlicher Beschäftigung mit Gewalt in Familien?Im Vordergrund: Frauenhäuser und Kinderschutzzentren
Der Hintergrund: Gesellschaftliche Auseinandersetzung um private Gewalt
Wie die Sozialwissenschaften die Gewalt (in Familien) entdeckten
Die Entdeckung: Eine soziale Konstruktion von Wirklichkeit. Das Beispiel »Dunkelziffer«
Moralisierung und Verdinglichung: Das Beispiel Dunkelfeldforschung
Mythos Gewalt
Resümee
Soziale Konstruktionen familiärer Gewalt: Theoretische Modelle und empirische Befunde
Problemstellungen: Das psychogenetische und das soziogenetische Paradigma
Eine nichtpathologische Störung - Mütterlichkeit und die Lebenschancen von Frauen - Gibt es eine »mißhandelnde Persönlichkeit«? - Eine komplementäre Perspektive - Soziale Bedingungen von Mißhandlung und Vernachlässigung
Eine ethnopsychische Störung?
Eine zivilisationstheoretische Deutung des Generationenverhältnisses
Belege und Reduktionen: Die empirizistische Reformulierung des Problems
Ein Modell der Mißhandlungssituation - Befunde zu den Bedingungen familiärer Gewalttätigkeit: Ist Gewalt gleich Gewalt? - Befunde zum Ausmaß von Gewaltanwendung in Familien: Doppelmoral - Definitionsprobleme
Rekonstruktion des Zusammenhangs: Theoretische Konzepte über Gewalt in Familien
Die strukturelle Gefährdung der familialen Reproduktion - Unterstützung und Kontrolle - Die Paradoxie familialer Intimität - Gewaltanwendung als ultima ratio?
Die feministische Kritik: Betroffenenperspektive und soziale Bewegung
Macht und Gewalt (tätigkeit) - Staatspatriarchat
Gewaltanwendung als soziales Handeln
Unklare Normen - Erlernte Hilflosigkeit - Erzwungene Nähe - Weiblichkeitsbilder
Resümee
Gewalthandlung von Familien: Ergebnisse einer explorativen Studie
Fragestellungen und Methoden der Untersuchung und Auswertung
Fragestellungen - »accounts« - Untersuchungsgruppe - Durchführung der Intensivinterviews - Gesprächsleitfaden - Typus der Exploration - Validität und Vergleichbarkeit der Produktion des Materials - Analyse des Materials - Protokolle - Einstellungsdaten und Situationsschilderungen - Register - Der Prozeß der Interpretation - Gültigkeitsmaßstäbe
Elemente alltagsweltlichen Wissens über familiale Gewalt
Selbstwahrnehmungen - Einstellungsmuster - Erinnerungsbilder
Berichte von Situationen des Gewalthandeins zwischen den Ehepartnern
Neutralisierungen - Machtstruktur und Gewaltanwendung - Gegenwehr und Gegenseitigkeit
Berichte von Situationen des Gewalthandeins zwischen Eltern und Kindern
Gewalthandeln als Erziehung - Gegenseitige Abhängigkeit - Die Vergesellschaftung von Ohnmacht
Vorüberlegungen zu einer Theorie familiärer Gewalt
Skizze eines historisch-gesellschaftstheoretischen Bezugsrahmens
Normalisierungen: Die Herstellung von Familie als Lebenszusammenhang
Gewalt und Intimität



