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Description
(Text)
Vom Mord an der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt
Leo Böwe führt als Waschmaschinenvertreter ein spießbürgerliches Leben im Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Zeit. Als er im Spätherbst 1957 durch die Frankfurter Kaiserstraße geht, hört er vom Mord an der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt. Das Ereignis, das ihn gleichermaßen erschreckt und fasziniert, lässt ihn sein Leben lang nicht mehr los - und es wird nicht das letzte Mal sein, dass seine kleine Karriere mit einem Moment bundesrepublikanischer Geschichte verknüpft ist ...
Nominiert für den Deutschen Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse.
(Review)
"Ein spannender Psychokrimi unserer Verhältnisse. Unbedingt lesen!" Die Zeit
(Extract)
Sie nannten ihn den kleinen Böwe, auch wenn er eins siebenundachtzig groß war. Gewisse Blicke von Männern machten ihn unsicher wie ein gewisses Lächeln bei Frauen auch. Vier Monate vor dem Abitur hatte er das Gymnasium mit einem ausgezeichneten Zeugnis verlassen, obwohl er sich während des Unterrichts, da hinten in seiner letzten Bank, meistens zu schade dafür gewesen war, die Hand aus dem Gesicht zu nehmen und in die Luft zu strecken, wenn er etwas wusste. An einem Märzmorgen hatte er sich sein Zeugnis im Sekretariat abgeholt, während in allen Klassenzimmern der Unterricht lief. Das war vor drei Jahren. Er hatte die Stimmen der Lehrer durch die Türen hindurch gehört, als er, zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinunterrannte, den Geruch von alten Äpfeln und Putzmitteln in der Nase, den er seit neun Jahren kannte, wie die Nägel im Flur auch, die im bröckelnden Putz noch immer die Kleiderhaken ersetzten. Er rechnete seinen Notendurchschnitt aus: eins Komma vier. Sogar in Sport und Zeichnen hatte er eine Eins. Mit der Hand hatte der Direktor unter das Zeugnis geschrieben, Böwe sei intelligent, außerordentlich sportlich, loyal, begeisterungsfähig, aber unruhig. Warum gehen Sie ausgerechnet jetzt? Haben Sie nur noch Ihren Fußball im Kopf? Böwe schüttelte den Kopf. Sie sind ein guter Fußballer, Böwe. Wollen Sie vielleicht versuchen, hochklassig zu spielen? Es würde zu Ihnen passen, Böwe. Fußball kommt von innen heraus. Viel Bauch, viel Gefühl, viel Leidenschaft. Rahn! Walter! Wollen Sie nicht spielen wie die? Und dann noch mit Abitur? Böwe schüttelte den Kopf. Also, welche Gründe gibt es dann?
(Author portrait)
Kuckart, Judith Judith Kuckart, geboren 1959 in Schwelm/Westfalen, absolvierte eine Tanzausbildung an der Folkwang-Schule in Essen und studierte Literatur- und Theaterwissenschaften in Köln und Berlin. 1986 gründete sie das Tanztheater Skoronel in Berlin, mit dem sie bis 1998 an verschiedenen deutschen und internationalen Bühnen Stücke aufführte, an denen sie als Autorin, Tänzerin, Choreografin und Regisseurin mitwirkte. Für ihr Werk wurde Judith Kuckart vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 2012, dem Margarete-Schrader-Preis für Literatur der Universität Paderborn 2006 und dem Deutscher Kritikerpreis 2004. Ihr Roman "Wünsche" stand 2013 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.



