Description
Die Arbeit untersucht die Rolle außerjuristischer Erfahrungssätze (z.B. aus Human-, Geistes- oder Naturwissenschaften) im Strafprozess und deren Validität als Beweisquelle. Sie zeigt Defizite im Ablauf der Gewinnung und Verwertung von Erfahrungssätzen sowohl durch das Gericht als auch durch Sachverständige auf. Analysiert werden Teilhaberechte der StPO und RiStBV, menschenrechtliche Anforderungen sowie Reformvorschläge zur besseren Kontrolle von »Sachkunde« und zur Stärkung fairer Verfahren. »'Expert Knowledge' as a Source of Evidence in Criminal Proceedings. Deficiencies in Defence Rights in the Acquisition and Use of Non-Legal Experiential Knowledge«: This thesis examines the role of non-legal empirical rules in criminal proceedings and their validity as a source of evidence. It highlights shortcomings in the process of obtaining and utilizing those empirical rules by both the court and expert witnesses. It analyzes participation rights under the Code of Criminal Procedure, human rights requirements, and reform proposals for better control of »expertise« and for strengthening fair trials.
1. Einleitung
Problemstellung - Eingrenzung der Forschungsfrage und Forschungsbedarf - Gang der Bearbeitung
2. Gesetzliche Verankerung von »Sachkunde« im Strafprozess
Grundlagen: Dualismus sachkundiger Entitäten - Begriff der »Sachkunde« - eine definitorische Annäherung - Erfahrungswissen auf der Metaebene
3. Einführung von Erfahrungswissen in den Strafprozess durch das Tatgericht und Sachverständige
Sachkunde des Tatgerichts für Beweisfragen - Einholung von Fremdsachkunde durch Sachverständige ( 72 ff. StPO)
4. Die rechtlichen Ausgangspunkte für die Verteidigungsrechte des Angeklagten im Bereich des außerjuristischen Erfahrungswissens
Grundsatz des rechtsstaatlichen Strafverfahrens als Leitprinzip - Recht auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) - Gebot der Waffengleichheit (Art. 6 Abs. 1 EMRK) - Konfrontations- und Ladungsrecht (Art. 6 Abs. 3 lit. d EMRK)
5. Herausforderungen der geltenden Rechtslage
Parameter des Fehlverurteilungsrisikos
6. Die Verteidigungsmöglichkeiten des Angeklagten im Bereich von außerjuristischem Erfahrungswissen
Ziele und Grenzen des Verteidigungsverhaltens - Im Ermittlungsverfahren - Im Zwischen- und Hauptverfahren - Vereinbarkeit der Änderungsvorschläge mit strafprozessualen Prinzipien
Fazit der Bearbeitung
Anja Holzer studied law in the Hanseatic city of Bremen, where she also completed her legal clerkship with placements at the public prosecutor's office, the tax court, and a law firm based in Hamburg specializing in criminal commercial law. After working as a research assistant at the University of Hamburg in the Department of European and International Criminal Law, Criminal Procedure Law, and Digitalization Law under RiOLG Prof. Dr. Kai Cornelius, LL.M., she was admitted to the bar in 2025. Since then, she has been working in a regional law firm specializing in tax and criminal tax law.


