Description
Das sog. Präzisierungsgebot des BVerfG gab der Forderung Auftrieb, den Angeklagten im Falle der täterbelastenden Rechtsprechungsänderung stärker zu schützen. Der damit verbundenen Frage wird in dieser Untersuchung nachgegangen. Im Ergebnis wird dargestellt, dass jedenfalls eine Änderung der gegenwärtig praktizierten Handhabung der täterbelastenden Rechtsprechungsänderung erforderlich ist. Vertreten wird eine objektive Lösung über Art. 103 II GG. Dieser Lösungsweg wird für praktische Fälle handhabbar gemacht und beispielhaft angewandt. »Change in Precedent to the Disadvantage of the Defendant in a Criminal Case and the Principle of Non-Retroactivity. Attempt of a Specification with Special Respect to the 'obligation to specify'«: The so-called 'obligation to specify' by the German Federal Constitutional Court fueled support for a higher level of protection for the defendant in case of a change in precedent. The work at hand examines this issue. One conclusion is that the solution currently practiced by courts needs to be changed. An objective approach, which is necessary, should be based on Art. 103 II GG. This solution is specified for its practical use and applied to five cases of changes in precedent illustratively. Hinführung: Einleitung - Gang der Abhandlung1. Bestandsaufnahme und Problemstellung: Behandlung der täterbelastenden Rechtsprechungsänderung in der Praxis - »Juni-Beschluss« - Folgen für die Behandlung der täterbelastenden Rechtsprechungsänderung - Fazit: Veränderung erforderlich2. Alternative Ansätze zur Behandlung täterbelastender Rechtsprechungsänderungen: Subjektive Ansätze - Objektive Ansätze - Fazit: Anknüpfung an Art. 103 II GG vorzugswürdig3. Entwicklung eines austarierenden Maßstabs: Vorhandene Ansätze - Abschichtung im Rahmen des Rückwirkungsverbotes4. Beispielhafte Anwendung des Ansatzes - Bewertung einzelner Rechtsprechungsänderungen: HSH Nordbank - Zu den Mindestbedingungen einer Vertrauensgrundlage - Absenkung der »Promillegrenze« auf 1,1 - Nichtgenügen einer bloß informellen Änderungsankündigung - Parteiverrat - (Vermeintliche) Evidenzentscheidung des BVerfG - »Gebrauchen« i. S. des 281 StGB - Keine Entwicklung, sondern offenes Nebeneinander unterschiedlicher Begriffsbedeutungen - Abkehr von der Teilselbstanzeige - Plötzlicher Kurswechsel durch die Rechtsprechung Martin Kemmer studied law at Bucerius Law School in Hamburg and at Georgetown University Law Center in Washington, D.C. He held scholarships from the Konrad-Adenauer-Foundation's study and doctoral programs. In 2025, Martin Kemmer received his doctorate; the dissertation deals with a criminal law topic. He is completing his legal clerkship at the Hanseatic Higher Regional Court.



